Haben gemeinsam den Bonifatiustag und das 40. Priesterweihejubiläum von Msgr. Austen begangen (von links): Robert Siemensmeyer (stellvertretender Bürgermeister der Stadt Paderborn), WDR-Moderatorin Yvonne Willicks, Landrat Christoph Rüther, Sängerin Maite Kelly, Caroline Freifrau von Ketteler (Vizepräsidentin des Bonifatiusrates), Bonifatiuswerk-Generalskeretär Msgr. Georg Austen, der Berliner Erzbischof Dr. Heiner Koch, Bonifatiuswerk-Geschäftsführer Ingo Imenkämper, Generalvikar Pascal René Lung (Bistum Stockholm), Generalvikar Prälat Thomas Dornseifer, Gesangs-Duo Judy Bailey und Patrick Depuhl, Bonifatiuswerk-Präsident Manfred Müller, Bischof Erik Varden (Bischof von Trondheim und Vorsitzender der Nordischen Bischofskonferenz), Bischof Viktors Stulpins (Bischof von Liepāja). (Foto: Hartmut Salzmann)
10.06.2026
(Paderborn/bfw) - Eine besondere Kerze aus dem Karmel in Hillerød bei Kopenhagen, Bischöfe aus Deutschland, Nordeuropa und dem Baltikum sowie die Erinnerung an zwei große Glaubensboten Europas – den heiligen Bonifatius und den heiligen Ansgar: Mit dem Bonifatiustag hat das Bonifatiuswerk am Dienstag in Paderborn Zeichen der Hoffnung, des Zusammenhalts und gelebten Glaubens über Grenzen hinweg gesetzt. Gemeinsam mit Gästen aus dem In- und Ausland erinnerte das Hilfswerk an die verbindende Kraft des Glaubens und die Bedeutung von Solidarität in einer Zeit gesellschaftlicher und politischer Umbrüche. Zugleich wurde das 40. Priesterweihejubiläum von Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen gewürdigt.
Diese europäische Verbundenheit war gleich zu Beginn des feierlichen Gottesdienstes in der Marktkirche spürbar, als eine Kerze entzündet wurde, die Monsignore Austen anlässlich des Jubiläums des heiligen Ansgar Anfang des Jahres in Kopenhagen geschenkt worden war. „Betrachtet man die Lebenswege des heiligen Bonifatius und des heiligen Ansgar auf der Landkarte Europas, entsteht das Bild eines großen Kreuzes, das den Kontinent verbindet. Beide haben Grenzen überschritten, Menschen zusammengeführt und Hoffnung gestiftet. Dieser Auftrag bleibt auch heute aktuell – für die Kirche und für das Bonifatiuswerk und für mich als Priester“, sagte der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes.
Seit vier Jahrzehnten setzt sich Monsignore Austen für eine Kirche ein, die Menschen zusammenführt und den Glauben in einer sich wandelnden Gesellschaft mit konkreten Angeboten lebendig hält. Sein Wirken im Bonifatiuswerk ist dabei eng mit dem Anliegen verbunden, Christinnen und Christen in der Diaspora zu stärken und kirchliche Netzwerke über Ländergrenzen hinweg zu fördern. „Die schönsten Erfahrungen meines priesterlichen Dienstes waren immer Begegnungen mit Menschen. Dort, wo Menschen füreinander da sind und ihren Glauben teilen, entsteht Hoffnung“, betonte Monsignore Austen.
Dass diese Hoffnung konkrete Gestalt annimmt, zeigen die zahlreichen Projekte des Bonifatiuswerkes in den Fördergebieten in der deutschen, nordeuropäischen und baltischen Diaspora. Die Anwesenheit der internationalen Gäste machte deutlich, wie eng die Beziehungen zu den Ortskirchen inzwischen sind und wie die gemeinsame Arbeit durch das Wirken des heiligen Bonifatius geprägt ist. Bischof Erik Varden, Bischof von Trondheim in Norwegen und Vorsitzender der Nordischen Bischofskonferenz, ging in seinem Grußwort auf den Schutzpatron des Bonifatiuswerkes ein: „Mit 40 verließ Bonifatius England und ging nach Deutschland. Er vereinte Tugenden, die wir heute dringend brauchen: Mut, Demut, Geduld. Du, lieber Georg, bist wie damals der heilige Bonifatius – ein pilgernder Verbinder und ein pilgernder Kirchenbauer. Im Namen der Nordischen Bischofskonferenz darf ich ein herzliches ‚Vergelt’s Gott“ sagen. Ich wünsche dir Gottes Gnade und Gottes Freude für deinen weiteren Weg.“
Die Festpredigt hielt der Berliner Erzbischof Dr. Heiner Koch. Gemeinsam mit Viktors Stulpins, Bischof von Liepāja, Generalvikar Prälat Thomas Dornseifer sowie zahlreichen weiteren kirchlichen Vertretern würdigte er die Arbeit des Bonifatiuswerkes und insbesondere das Wirken von Generalsekretär Monsignore Georg Austen: „Gutes tun, Gutes verkündigen, das bedeutet Bonifatius. Das hast du, lieber Georg, seit 40 Jahren getan. Wir danken Gott und wir danken dir für diesen Dienst, für die Kraft, immer wieder aufzustehen, wie es auch der heilige Bonifatius getan hat.“ Der Glaube brauche Zeichen, sonst bleibe er stumm, betonte der Erzbischof. „Danke für die Zeichen, die du gesetzt hast. Danke für dein Gebet. Du weißt um die Kraft des Gebetes. Du hast dafür gesorgt, dass in den vielen Förderländern des Bonifatiuswerkes und auch bei uns keiner alleine glauben muss.“
Während des Festaktes hob Bonifatiuswerk-Präsident Manfred Müller das langjährige Wirken von Monsignore Austen hervor und dankte dem Jubilar für seinen Einsatz zugunsten der Menschen, die ihren Glauben in einer Minderheitensituation leben: „Das Bonifatiuswerk wäre ohne Georg Austen nicht das, was es heute ist: ein leistungsstarkes Hilfswerk für die Diaspora, ein verlässliches Bollwerk der Solidarität für die nord- und ostdeutschen Bistümer und eine unverzichtbare Unterstützung für die Partner in Nordeuropa und im Baltikum. Georg Austen hat wichtige Entwicklungen nicht nur begleitet, sondern häufig vorausgedacht. Ob Glaubenskonferenzen, Kirchenaustrittspastoral oder Erwachsenentaufen – bei vielen Themen, die die Kirche heute bewegen, war er seiner Zeit voraus und schon lange auf der katholischen Überholspur unterwegs.“
Auch der Paderborner Landrat Christopher Rüther würdigte Austens Verdienste und seine Menschlichkeit: „Wir feiern heute einen Menschen, der nie vergessen hat, woher er kommt. Einen Menschen der Brücken baut – zwischen Kirche und Gesellschaft, zwischen Haupt- und Ehrenamt, zwischen Ostwestfalen und der Weltkirche. Und einen Menschen, der trotz aller Aufgaben, Ehrungen und Ämter nahbar geblieben ist. Wir sehen ein Leben am Dienst an den Menschen. Wir sehen einen Priester, der Glauben glaubwürdig gelebt hat und lebt, und einen Seelsorger, der Menschen in Freude und Leid begleitet hat.“
Begleitet wurden Gottesdienst und Festakt von dem Gesangs-Duo Judy Bailey und Patrick Depuhl. Für einen besonderen musikalischen Akzent sorgte zudem die Sängerin Maite Kelly, die mit Monsignore Georg Austen seit mehr als 25 Jahren freundschaftlich verbunden ist und sich auch als Botschafterin der Nikolausaktion des Hilfswerkes engagiert: „Wir haben sehr viel über Taten gesprochen, aber hier werden auch viele Taten umgesetzt – ob das zum Beispiel die Frauenhäuser oder Kinderhospize sind, die ich besuchen durfte, die durch das Bonifatiuswerk unterstützt werden. Und auch im Kleinen wird hingeschaut und etwas gemacht. Wo Not ist, wird diese nicht nur gehört, sondern es wird auch konkret geholfen“, sagte die Sängerin.
Am Vorabend hatte Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz, als Schirmherr des Bonifatiuswerkes, die ausländischen Delegationen zu einem Empfang und Austausch eingeladen.
Monsignore Georg Austen feiert sein 40. Priesterweihejubiläum. Im Gespräch blickt der Bonifatiuswerk-Generalsekretär auf Menschen, die ihn geprägt haben, bewegende Erfahrungen, die Kraft des Glaubens und die Hoffnung, die ihn bis heute trägt. Die Fragen stellte Theresa Meier.
Erinnern Sie sich noch an den Moment Ihrer Priesterweihe? Was ging Ihnen damals durch den Kopf?
Ich erinnere mich besonders an den Moment, in dem wir in der Weiheliturgie ausgestreckt auf dem Boden vor dem Altar lagen. Die ganze Anspannung ließ langsam nach. Es war für mich auch ein ganz besonderes Gefühl: Ich lasse mich mit meinen Stärken und Schwächen, mit meinem Leben und meinen Fragen auf den Weg der Christusnachfolge ein und kann mich Gott überlassen, auch wenn dies recht fromm klingt.
40 Jahre Priester: Was ist für Sie der Kern Ihres priesterlichen Dienstes geworden?
Das Herzstück meines Dienstes sind die Begegnungen mit Gott und den Menschen. Ob im Gottesdienst, der Sakramentenspendung, in der Jugendarbeit, als Gefängnisseelsorger, beim Weltjugendtag oder heute im Bonifatiuswerk – entscheidend war für mich immer die Erfahrung, dass Glaube Menschen Halt, Orientierung und neue Perspektiven schenken kann. Ich habe meinen Dienst nie nur als Schreibtischaufgabe verstanden. Seelsorge beginnt dort, wo Menschen in Beziehung kommen und mit ihren Fragen, Sorgen und Hoffnungen ernst genommen werden – dort, wo der christliche Glaube existenzielle Bedeutung hat.
Gab es Menschen, die Ihren Weg besonders geprägt haben?
Mein Elternhaus hat mich entscheidend geprägt. Besonders von meinem Großvater und meiner Mutter habe ich gelernt, dass ein tiefes Gottvertrauen und gelebter Glaube ganz selbstverständlich zum Alltag gehören. Beeindruckt hat mich dabei ihre Fähigkeit, trotz persönlicher Verluste, schwerer Schicksalsschläge und der Erfahrungen des Krieges das Leben zu bejahen. Wichtige Impulse erhielt ich später am Mauritius-Gymnasium in Büren bei den Jesuiten. Geprägt haben mich außerdem das dörfliche Leben in meinem Heimatort Brenken, die Erfahrungen im Jugendverband und dessen gesellschaftliches und politisches Engagement. Und überhaupt junge Menschen, die Freude hatten, in Kirche und Welt mitzumischen sowie Verantwortung zu übernehmen. Besonders eindrücklich waren für mich aber immer wieder in den Gemeinden, wo ich als Seelsorger wirken durfte, Menschen, die ihren Glauben glaubwürdig gelebt haben – oft ganz still und ohne große Worte. Gerade diese authentischen Zeugnisse haben mich neugierig gemacht und meinen eigenen Weg nachhaltig beeinflusst.
Was haben die Menschen Sie in diesen vier Jahrzehnten über den Glauben gelehrt?
Sehr oft haben mich Menschen in schwierigen Lebenssituationen beeindruckt: Gefangene, Menschen in Armut, in Krankheit und am Sterbebett oder Menschen, die Krieg und Flucht erlebt haben. Oft habe ich bei ihnen erfahren und von ihnen auch in meinen Fragen und Zweifeln lernen dürfen, was christliche Hoffnung, Vertrauen, Zuversicht und Durchhaltevermögen bedeuten. Erfahrungen in Afrika oder Argentinien bis hin zum Vatikan haben mir ein vielfältiges Bild von Weltkirche gezeigt, das von unterschiedlichen Kulturen und Lebendigkeit geprägt ist. Ich hatte auch immer das Glück, nie allein unterwegs gewesen zu sein, sondern immer mit anderen im Team zu arbeiten, die Freude daran hatten, Kirche zu gestalten. Der Glaube ist für mich deshalb nie nur Theorie geblieben, sondern etwas, das sich im konkreten Leben bewähren muss.
Sie haben Kirche in sehr unterschiedlichen Rollen erlebt. Welche Erfahrungen haben Sie besonders geprägt?
Vor allem die Zusammenarbeit mit vielen engagierten Menschen. Ich habe erlebt, wie viel möglich wird, wenn Haupt- und Ehrenamtliche gemeinsam Verantwortung übernehmen. Die Arbeit mit jungen Menschen, internationale Partnerschaften, der Weltjugendtag 2005 oder die Unterstützung unzähliger Projekte im Bonifatiuswerk haben mir gezeigt: Kirche ist dann lebendig, wenn sie sich den Menschen zuwendet, Verantwortung übernimmt und auch Neues wagt. Es gab und gibt auch Zeiten der Erschütterung, beispielsweise beim sexuellen Missbrauch, auch in der Kirche, wo das Evangelium verdunkelt wird oder es zu Machtmissbrauch gekommen ist. Das ist und bleibt ein Stachel im Fleisch. Trotzdem erlebe ich, dass mit allen Problemen und Defiziten unsere Kirche den Menschen solidarisch zur Seite steht. Hier fehlt es uns heute oft an gesundem Selbstbewusstsein. Wir brauchen mehr Hoffnungs- als Bedenkenträger.
Was gibt Ihnen angesichts aller Herausforderungen Hoffnung für die Zukunft der Kirche?
Hoffnung macht
mir, wo wir uns als Kirche den notwendigen Veränderungen mit Gottvertrauen stellen und zeitgerecht das Evangelium in Wort und Tat verkünden sowie im Gebet tiefer verbunden sind. Hoffnung geben
mir Menschen, die ihren Glauben überzeugend leben und andere damit anstecken – gerade junge Menschen. Ich erlebe das im Bonifatiuswerk bei unserem Freiwilligendienst „Praktikum im Norden“, in den
Diaspora-Gemeinden Nordeuropas, des Baltikums und in vielen kreativen Projekten, die bewährte Formen lebendig halten und neue Wege der Glaubensvermittlung suchen. Von den Kirchen in der Diaspora
können wir gerade mit Blick auf ihre Internationalität lernen, was es bedeutet, eine Weltkirche zu sein. Es gilt, mit den unterschiedlichen Weltanschauungen und Lebensweisen auch mit
Andersdenkenden und -glaubenden in den Dialog zu treten. Die Menschen in der nordeuropäischen und baltischen Diaspora überlegen, wie sie zum Frieden beitragen und Menschen, die nach einer
geistlichen Heimat suchen, ein Zuhause geben können.
Für die Zukunft wünsche ich mir eine Kirche, die ihre Wurzeln kennt, die glaubwürdig, nahbar ist, notwendige Reformen mutig angeht, den Menschen mit Zuversicht begegnet, ihnen zuhört und sie auf
ihrem Lebensweg begleitet.
