
6.06.2026
(Hannover/mhd). Für mehr Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger in der Krisenvorsorge und ein Ende der „Vollkaskomentalität“ plädiert Martin Schelleis, Generalleutnant a.D. und Bundesbeauftragter Krisenresilienz, Sicherheitspolitik und Zivil-Militärische Zusammenarbeit (ZMZ) des Malteser Hilfsdienstes. Bei einem Medienfrühstück im Rahmen der Messe „Interschutz 2026“ in Hannover am Donnerstag, 4. Juni 2026, lobte er zudem den „Pakt für Bevölkerungsschutz“, den die Bundesregierung am 22. Mai 2026 beschlossen hat, sieht aber noch großen Klärungsbedarf.
Positiv bewertet Schelleis vor allem die geplante Selbstschutzkampagne, denn ohne ein Mittun der Bevölkerung funktioniere Bevölkerungsschutz nicht. Im Notfall müsse jeder Mensch mehrere Tage ohne Hilfe von außen überleben können. Dafür sei es notwendig, die Menschen aufzuklären und zu informieren. Zur Vorsorge zwingen könne man jedoch niemanden, denn: „Wir sind ein freies Land mit freien Bürgern.“ Freiheit bedeute aber auch Verantwortung. Der Staat könne nicht alles bis ins Kleinste regeln. „Es ist eine Vollkaskomentalität entstanden“, klagt Schelleis, der 2021 als Generalleutnant den Einsatz der Bundeswehr beim Hochwasser im Ahrtal leitete.
Insgesamt begrüßt Schelleis den „Pakt für Bevölkerungsschutz“ als guten Auftakt für eine bessere Krisenvorsorge. Im fünften Jahr der „Zeitenwende“ komme er jedoch reichlich spät und müsse inhaltlich in vielen Punkten konkretisiert werden. Unklar sei zum Beispiel, was in einer Krise konkret von den Hilfsorganisationen verlangt werde, welche Ressourcen dafür zur Verfügung stünden und wo nachgesteuert werden müsse. „Insgesamt ein richtiges Papier, das die gute Absicht zeigt, aber längst überfällig ist und hoffentlich bald mit Substanz gefüllt wird“, so Schelleis in Hannover.
Das Pressefrühstück fand am Stand des Malteser Hilfsdienstes auf der Messe „Interschutz 2026“ in Hannover statt, wo die Malteser der Öffentlichkeit unter anderem verschiedene Fahrzeuge für den Bevölkerungsschutz, ihr „Virtual Operations Support Team (VOST)“ zur Analyse von Social-Media-Aktivitäten, ein System zum koordinierten Einsatz von Spontanhelfern und das Rap-Projekt „Mit Beats gegen die Krise“ vorstellen. Bei der „Interschutz 2026“ präsentieren sich vom 1. bis 6. Juni 2026 nach Angaben des Veranstalters Deutsche Messe AG 1.750 Aussteller aus 55 Ländern unter dem Titel „Safeguarding tomorrow“. Die „Interschutz“ gilt als internationale Weltleitmesse für Feuerwehr, Rettungswesen und Bevölkerungsschutz.
