Manchmal habe ich das Gefühl, wir verbringen mehr Zeit damit, zu kommentieren, als etwas zu verändern.
Wir analysieren, kritisieren und wissen oft ganz genau, was andere besser machen müssten. Doch irgendwann kam bei mir die Frage auf: Wo fängt Veränderung eigentlich an?
Nicht bei „denen da oben“. Nicht bei den anderen.
Sondern bei uns selbst.
Aus diesem Gedanken ist mein neuer Song „Wer, wenn nicht wir?“ und diese WortWeise entstanden. Der Song ist kein Protestsong und keine politische Stellungnahme. Er ist vielmehr eine Einladung, den Blick auch einmal nach innen zu richten – und den Mut zu finden, Verantwortung zu übernehmen, wo jeder von uns etwas bewegen kann.
WortWeise: Wer, wenn nicht wir?
Es ist erstaunlich, wie schnell wir heute Antworten finden. Auf fast alles. Wer schuld ist. Was falsch läuft. Was andere endlich ändern müssten. Die sozialen Medien sind voll von Analysen, Forderungen und Urteilen. Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir Weltmeister im Kommentieren geworden sind.
Doch eine Frage bleibt oft unbeantwortet:
Und ich?
Was trage ich selbst dazu bei, dass unsere Welt menschlicher wird?
Diese Frage hat mich beschäftigt, als mein neuer Song „Wer, wenn nicht wir?“ entstand. Denn Veränderung beginnt selten mit einem großen Paukenschlag. Sie beginnt meistens leise. In einem Gespräch, das nicht verletzen will. In einer ausgestreckten Hand. In einem Menschen, der Verantwortung übernimmt, obwohl es bequemer wäre, wegzusehen.
Der Philosoph Sokrates soll gesagt haben: „Wer die Welt bewegen will, sollte zuerst sich selbst bewegen.“ Ob der Satz genau so von ihm stammt oder nicht – der Gedanke trifft ins Herz. Auch das Christentum kennt diesen Weg. Jesus fordert seine Jünger nicht zuerst auf, Rom zu verändern oder die Mächtigen zu stürzen. Er spricht vom Salz der Erde und vom Licht der Welt. Salz verändert den Geschmack einer Speise nicht durch seine Größe, sondern durch seine Wirkung. Licht vertreibt die Dunkelheit nicht durch Lautstärke, sondern indem es einfach leuchtet.
Vielleicht unterschätzen wir die Kraft des kleinen Anfangs.
Der Apostel Paulus von Tarsus schreibt: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Das ist kein naiver Optimismus. Es ist eine Lebenshaltung. Sie entscheidet sich jeden Tag neu – in unseren Worten, in unseren Entscheidungen und in unserem Umgang miteinander.
Natürlich braucht eine Gesellschaft gute Politik, kluge Entscheidungen und mutige Verantwortungsträger. Aber keine Regierung der Welt kann das ersetzen, was in unseren Familien, Nachbarschaften, Vereinen, Betrieben und Kirchengemeinden geschieht. Dort entscheidet sich, ob Vertrauen wächst oder Misstrauen. Ob Hoffnung entsteht oder Resignation.
Vielleicht beginnt das neue „Wir“ tatsächlich nicht irgendwo da draußen.
Vielleicht beginnt es heute.
Bei mir.
Bei dir.
Und genau deshalb lautet die wichtigste Zeile meines Liedes nicht als Vorwurf, sondern als Einladung:
„Wer, wenn nicht wir? Wann, wenn nicht heut'?“
Gebet
Guter Gott,
du hast uns nicht geschaffen, um Zuschauer des Lebens zu sein, sondern Menschen, die Hoffnung weitergeben.
Bewahre uns davor, nur auf Fehler zu schauen und den Mut zu verlieren.
Schenke uns offene Augen für das Gute, das schon heute wächst, und offene Hände, damit wir selbst daran mitbauen.
Lehre uns, Verantwortung zu übernehmen, ohne andere geringzuschätzen. Gib uns die Kraft, Brücken zu bauen, wo Gräben entstanden sind, und Worte zu finden, die heilen statt verletzen.
Lass uns erkennen, dass jeder kleine Schritt der Liebe, der Ehrlichkeit und der Güte Teil deines großen Wirkens in dieser Welt ist.
Amen.
Segen
Der Herr segne dich mit dem Mut, den ersten Schritt zu gehen.
Er schenke dir ein waches Herz, das Hoffnung sät, wo Resignation wachsen will.
Er gebe dir Kraft, Verantwortung zu übernehmen, und Gelassenheit für das, was du nicht allein verändern kannst.
Und er lasse dich immer wieder Menschen finden, die mit dir sagen:
„Wer, wenn nicht wir? Wann, wenn nicht heut'?“
So begleite dich der Segen Gottes – des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.
Vers 1
Kennst du das Land,
in dem man Weltmeister im Urteilen ist?
Wo jeder den Fehler schon kennt,
bevor überhaupt etwas gelingt.
Wo man vom Gestern erzählt,
als wär die Zeit stehen geblieben.
Und jede Hoffnung zerredet,
bevor sie fliegen gelernt hat.
Ich kenn das alles,
ich leb ja selbst mittendrin.
Und manchmal frag ich mich leise:
Bin ich wirklich anders als sie?
Pre-Chorus
Mit jedem erhobenen Finger
zeigt einer auf mich zurück.
Refrain
Wer, wenn nicht wir?
Wann, wenn nicht heut'?
Aus tausend kleinen Schritten
wird der Weg nach vorn.
Nicht sie. Nicht ihr.
Nicht irgendwann.
Ein besserer Morgen
fängt mit uns heut an.
Vers 2
Wir reden von Mut,
doch suchen zuerst den bequemen Weg.
Wir sehnen uns nach Veränderung,
doch ändern uns selbst viel zu selten.
Wir warten auf Menschen,
die endlich den Anfang machen.
Dabei steht die Antwort
jeden Morgen vor unserem Spiegel.
Ich kenn das Gefühl,
nur Zuschauer gewesen zu sein.
Doch Zukunft entsteht nicht
durch Hoffen allein.
Pre-Chorus
Denn jeder neue Morgen
beginnt mit dem ersten Schritt.
Refrain
Wer, wenn nicht wir?
Wann, wenn nicht heut'?
Aus tausend kleinen Schritten
wird der Weg nach vorn.
Nicht sie. Nicht ihr.
Nicht irgendwann.
Ein besserer Morgen
fängt mit uns heut an.
Bridge
Ärmel hoch.
Fäuste unten.
Nicht noch mehr Spaltung,
sondern Schultern,
die uns gemeinsam tragen.
Nicht warten,
bis da einer kommt.
Wir sind doch noch lebendig.
Also geh los.
Nicht perfekt –
aber gemeinsam.
Final-Refrain
Wer, wenn nicht wir?
Wann, wenn nicht heut'?
Aus tausend kleinen Schritten
wird der Weg nach vorn.
Nicht sie. Nicht ihr.
Nicht irgendwann.
Ein besserer Morgen
fängt mit uns heut an.
Nicht sie. Nicht ihr.
Nicht irgendwann.
Ein besserer Morgen
fängt mit uns heut an.
(Worte & Musik: Gert Holle – 1.07.2026)
Autor: Gert Holle - 1.07.2026
