Emotionales Abschlussprojekt von Koblenzer Heilerziehungspfleger: „Sowas darf nicht nochmal passieren“

Freuten sich über die große Resonanz bei der Gedenkveranstaltung in der Koblenzer Citykirche (von links): Heilerziehungspfleger aus dem Caritas-Haus Eulenhorst, Johannes Szymanski, Holger Großklos (Gesamtleitung Wohnhäuser), Angela Platz und Werner Schmelzer als Bewohner aus dem Caritas-Haus Eulenhorst und wissenschaftliche Dokumentarin der Gedenkstätte Hadamar, Dr. Esther Abel.. Foto: Thomas Moellney

4.07.2026

 

Es war ein ganz besonderer Nachmittag in der Koblenzer Citykirche, als Johannes Szymanski sein Abschlussprojekt „Lebenswelten von Menschen mit Beeinträchtigung – von Hadamar bis heute“ vorstellte.

(Koblenz/bt) – Es war ein ganz besonderer Nachmittag in der Koblenzer Citykirche: Etwa 80 Gäste folgten der Einladung von Johannes Szymanski, der sein Abschlussprojekt als Auszubildender zum Heilerziehungspfleger im Haus Eulenhorst in Koblenz vorstellte. „Lebenswelten von Menschen mit Beeinträchtigung – von Hadamar bis heute“ lautete der Titel seines Projekts, das Wissenschaft und Lebensgeschichten verein.

Der 28-Jährige absolvierte seine Ausbildung in dem Wohnhaus Eulenhorst der Koblenzer Caritas. Dort leben 38 Menschen mit geistiger Behinderung. „Politische Bildung und Teilhabe sind mir ein Herzensanliegen, im Sinne des Bundesteilhabegesetzes und der UN-Behindertenrechtskonvention“, sagt der Caritas-Mitarbeiter.

Die bedrückende Geschichte von Hadamar und was sie uns heute sagt

Zu Beginn der Veranstaltung berichtete Dr. Esther Abel, wissenschaftliche Dokumentarin der Gedenkstätte Hadamar, über die grausame Geschichte des Ortes, der zur Zeit der Nationalsozialisten eine von vielen Tötungsanstalten war. Tausende Menschen wurden aus rassistischen Gründen ermordet – politische Gegner, Homosexuelle, Wohnungslose oder Menschen mit Behinderung. Sie alle galten als „unbrauchbare“ Menschen. „Die Geschehnisse von damals sind uns eine Verpflichtung für heute und die Zukunft“, sagte Abel. „Menschenwürde ist nicht verhandelbar.“

Menschenwürde oder Kostenfaktor?

Wie haben sich die Lebenswelten seit den NS-Verbrechen verändert und was können wir gemeinsam für eine gute Zukunft tun? Um diese zentrale Fragestellung ging es in einer von Johannes Szymanski moderierten Gesprächsrunde, an der neben der Dokumentarin der Gedenkstätte auch Angela Platz und Werner Schmelzer teilnahmen. Beide gaben sehr persönliche Einblicke in ihr Leben: im Haus Eulenhorst, im Arbeitsalltag in der Rhein-Mosel-Werkstatt oder in der Freizeit. Sie berichteten von Wertschätzung, Teilhabe und Selbstbestimmung – Rahmenbedingungen, die aktuell wieder zur Diskussion werden. „Teilhabe ist ein Menschenrecht, kein Luxus“, betone der engagierte Auszubildende der Caritas. „Heute werden Menschen mit Unterstützungsbedarf im politischen Diskurs wieder als Kostenfaktor dargestellt, insbesondere vor dem Hintergrund unserer Geschichte eine untragbare und furchtbare Entwicklung.“ In diesem Kontext richteten Schmelzer und Platz einen eindrucksvollen Appell an alle Gäste, der aus der Citykirche hinaus an alle Menschen getragen werden sollte: „Wir freuen uns, dass so viele Gäste kamen, ein starkes Zeichen für den Zusammenhalt“, so Werner Schmelzer. „Wir müssen aus Hadamar lernen. Sowas darf nicht nochmal passieren.“ Angela Platz ergänzte: „Die Politik sollte bei der Barrierefreiheit an der Seite der Menschen mit Beeinträchtigung stehen, unabhängig davon, ob sie ambulant oder stationär unterstützt werden, beziehungsweise in der Familie leben.“ Langanhaltender Applaus war ein beeindruckender Beleg, dass dieser Appell an diesem Nachmittag in der Citykirche ankam.