Libanon: „Den Frieden Christi inmitten der Zerstörung bezeugen“

Ein dringender Appell aus Beirut

Präsident des GAW, Martin Dutzmann, und Paul Haidostian bei einem Treffen am 2. Februar 2026 in Beirut, Foto: Enno Haaks/GAW
Präsident des GAW, Martin Dutzmann, und Paul Haidostian bei einem Treffen am 2. Februar 2026 in Beirut, Foto: Enno Haaks/GAW

11.04.2026

 

(Leipzig / Beirut/gaw) – Angesichts der jüngsten dramatischen Eskalation im Libanon und der anhaltenden Instabilität im Nahen Osten hat sich Rev. Dr. Paul Haidostian, Vorsitzender der Union der Armenisch-Evangelischen Kirchen im Nahen Osten (UAECNE), mit einem eindringlichen Bericht an die internationale Öffentlichkeit gewandt.

 

Trotz schwerer Zerstörungen in Beirut und einer massiven humanitären Krise setzt die Kirche ihre Arbeit fort, um der herrschenden Gewalt ein Zeichen der Hoffnung entgegenzusetzen.

 

Humanitäre Hilfe für Binnenvertriebene
Die jüngsten Ereignisse in Beirut haben Teile der Stadt in Trümmer gelegt. Die Katastrophe forderte hunderte Todesopfer und tausende Verletzte. Auch die Gemeinschaft der armenisch-evangelischen Haigazian-Universität ist betroffen. Als unmittelbare Reaktion hat das Krisenkomitee der UAECNE umfassende Hilfsmaßnahmen eingeleitet. Über die diakonischen Einrichtungen, Schulen und private Unterkünfte werden derzeit hunderte Binnenvertriebene materiell und seelsorglich unterstützt.

Gemeinden in der ganzen Region zeigen Standhaftigkeit
Haidostian, der auch Präsident der Haigazian-Universität ist, hob die Standhaftigkeit der Gemeinden hervor – etwa in Teheran, wo die Ostergottesdienste trotz der schwierigen Sicherheitslage ein Zeugnis tiefer Glaubensstärke waren. Auch die Gemeinden im Irak und in Syrien setzen ihre Arbeit unter extremen Bedingungen fort. Die kirchlichen Institutionen im Libanon wie die evangelischen Schulen, die Haigazian Universität sowie die sozial-diakonischen Einrichtungen setzen ihren Dienst fort, soweit es die Umstände erlauben.

Klage über die Instrumentalisierung von Religion
In seinem Appell prangert Haidostian eine „ideologische Arroganz“ an, die echtes Streben nach Frieden ersetzt habe. Besonders scharf kritisiert er den Missbrauch des Glaubens: „Es erfüllt mich mit tiefem Schmerz zu sehen, wie die Religion über verschiedene Traditionen hinweg missbraucht wird. Sie wird instrumentalisiert, um Gewalt anzustacheln, zu rechtfertigen und zu verbergen – eine Art ‚Reinwaschung‘ des Krieges durch religiöse Sprache.“ Er warnt davor, Theologie zum bloßen Instrument geopolitischer Interessen zu degradieren, während Menschenleben auf dem Altar von Gier und Macht geopfert werden.

Mission der Kirche und Dank für die Hilfe 
Trotz der schwierigen Lage betont der Bericht die unveränderte Mission der Kirche: das Evangelium zu predigen, Barmherzigkeit zu zeigen und für Gerechtigkeit einzutreten. Haidostian dankt in diesem Zusammenhang Partnern wie der Armenian Missionary Association of America (AMAA) und dem Gustav-Adolf-Werk (GAW) für ihre Unterstützung. Sein Appell schließt mit einem Wort des Apostels Paulus an die Römer: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“

Das GAW wird in dieser Notsituation weiterhin den armenischen Partnern zur Seite stehen.

Spendenkonto:
Gustav-Adolf-Werk e.V.
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UAECNE: Die Union der Armenisch-Evangelischen Kirchen im Nahen Osten (UAECNE) umfasst Gemeinden im Libanon, Syrien, Irak, Iran, der Türkei, Ägypten und Griechenland. Sie unterhält zahlreiche Bildungseinrichtungen und soziale Werke in der Region.

 

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Gustav-Adolf-Werk e.V. ist das Diasporawerk der EKD und nimmt gemäß Artikel 16 der Grundordnung der EKD vom 13.07.1948 im Zusammenwirken mit der EKD, ihren Gliedkirchen und Gemeinden die besondere Verantwortung für den Dienst in der Diaspora wahr. Die Arbeit wird von bundesweit 21 Hauptgruppen und 19 Frauengruppen getragen. Das GAW hilft seinen Partnerkirchen beim Gemeindeaufbau, bei der Renovierung, beim Kauf und beim Neubau von Kirchen und Gemeinderäumen, bei sozialdiakonischen und missionarischen Aufgaben, bei der Aus- und Weiterbildung von kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern u. a. Jährlich werden verschiedene Projekte mit mehr als zwei Millionen Euro unterstützt.