Festkonferenz „50 Jahre Ramsar Konvention in Deutschland“

Bilanz: Feuchtgebiete sind der Schlüssel für den Klimaschutz

Übergabe Ramsar-Urkunde und Ramsar-Flagge von Dr. Musonda Mumba an Rita Schwarzelühr-Sutter (BMUKN) © Global Nature Fund
Übergabe Ramsar-Urkunde und Ramsar-Flagge von Dr. Musonda Mumba an Rita Schwarzelühr-Sutter (BMUKN) © Global Nature Fund

3.07.2026

  • 50 Jahre Ramsar Konvention: Die Festkonferenz würdigt Meilensteine des ältesten globalen Feuchtgebietsschutzabkommens in Deutschland und fordert deren dynamische Weiterentwicklung.
  • Urbane Integration: Innovative Konzepte wie die „Wetland City“ zeigen, dass moderne Stadtentwicklung, nachhaltiges Wassermanagement und Naturschutz Hand in Hand gehen können.
  • Generationengerechtigkeit: Der langfristige Erhalt der Ökosysteme gelingt nur durch die aktive Einbindung der Jugend in Politik, Entscheidungsfindung und lokale Schutzprojekte.

 

(Radolfzell/gnf) - Moore speichern enorme Mengen Kohlenstoff, Feuchtgebiete schützen vor Hochwasser, sichern Wasser in Trockenzeiten und sind Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten. Dass diese Ökosysteme zu den wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen die Klimakrise gehören, war die zentrale Botschaft der Festveranstaltung „50 Jahre Ramsar Konvention in Deutschland“, zu der sich am 29. Juni rund 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Naturschutz sowie Städten und Gemeinden im Inselhotel in Konstanz versammelten. Das Ramsar-Abkommen ist das einzige völkerrechtlich verbindliche Umweltabkommen weltweit, das sich dem Schutz und der nachhaltigen Nutzung von Feuchtgebieten widmet.

Exkursion ins Ramsar-Gebiet Wollmatinger Ried © Global Nature Fund
Exkursion ins Ramsar-Gebiet Wollmatinger Ried © Global Nature Fund

 

Die im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUKN) sowie des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) von der Umweltstiftung Global Nature Fund (GNF) organisierte Tagung zog eine wegweisende Bilanz über fünf Jahrzehnte Ramsar-Arbeit in Deutschland und beleuchtete Zukunftsaussichten.

Politischer Auftakt: Feuchtgebietsschutz als internationale und regionale Pflicht
Durch das hochkarätige Programm führte der Moderator Christoph Tiemann. Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im BMUKN, eröffnete die Veranstaltung mit einer beeindruckenden Rede. Sie verdeutlichte die fundamentale Rolle intakter Feuchtgebiete für den globalen Klimaschutz und betonte, dass der Erhalt dieser Ökosysteme im Sinne der Ramsar-Leitlinien eine vordringliche internationale Verantwortung darstellt: „Angesichts der derzeitigen Hitzewelle und Trockenheit wird überdeutlich, wie wichtig Moore, Auen oder andere Feuchtgebiete für uns sind: Sie halten Wasser in der Landschaft, schützen also gegen Wasserknappheit und sie wirken abkühlend. Neben dieser für uns alle spürbaren Funktion sind sie noch viel mehr: sie sind wichtiger Lebensraum für diverse Tier- und Pflanzenarten, machen uns widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels und helfen gegen den Verlust biologischer Vielfalt. Sie sind wahre Alleskönner, auf die wir nicht verzichten können, und die wir deshalb schützen und stärken müssen“, so Rita Schwarzelühr-Sutter.

Daran anknüpfend legte Thekla Walker, Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg den Fokus auf gesunde Ökosysteme auf regionaler Ebene. „Feuchtgebiete spielen in vielerlei Hinsicht eine bedeutende Rolle. Sie bieten Schutz und Raum für zahlreiche heimische Tiere und Pflanzen, binden wirksam Kohlenstoff, dienen als natürliche Wasserspeicher und helfen, die Folgen des Klimawandels abzumildern. Der Schutz von Feuchtgebieten, ihre nachhaltige Nutzung und Wiederherstellung ist daher in unser aller höchstem Interesse. Die Ramsar Konvention bietet hierfür einen stabilen internationalen Rahmen und ist von großer Bedeutung für Erhalt dieser einzigartigen Naturräume“, so Thekla Walker.

Der Konstanzer Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn hieß die Gäste in der Konzilsstadt willkommen und erläuterte unter dem Leitmotiv „global denken, lokal handeln“ wirksame Ansätze auf kommunaler Ebene. Er betonte die Notwendigkeit, Naturschutz, Naherholung, Tourismus und wirtschaftliche Entwicklung im Sinne des "Wise Use"-Prinzips (der nachhaltigen Nutzung) der Ramsar Konvention erfolgreich miteinander in Einklang zu bringen und honorierte die wertvolle Arbeit lokaler Naturschutzorganisationen.

Globaler Weitblick und nationale Praxis
Einen globalen Überblick über die Chancen weltweiter Abkommen auf lokaler Ebene gab Dr. Musonda Mumba, Generalsekretärin der internationalen Feuchtgebiets-Konvention (Ramsar Konvention). Sie zeigte sich tief beeindruckt vom leidenschaftlichen Engagement der Akteure vor Ort. In einem emotionalen Appell forderte sie eine starke Brücke zur nächsten Generation, um der Jugend einen intakten Planeten zu hinterlassen. Zum Zeichen der Anerkennung überreichte Dr. Musonda Mumba eine offizielle Ramsar-Urkunde sowie die Ramsar-Flagge an das BMUKN, vertreten durch Rita Schwarzelühr-Sutter.

Die konkrete Anwendung der Instrumente der Konvention veranschaulichten mehrere Praxisberichte. Dr. Kim Grützmacher, Leiterin des Fachgebiets Internationaler Naturschutz beim Bundesamt für Naturschutz (BfN), gab fundierte Einblicke in die bundesweite Umsetzung des Ramsar-Regelwerks. Dr. Raphael Rehm (ARGE Schwäbisches Donaumoos e.V.) präsentierte das Schwäbische Donaumoos als erfolgreiche Modellregion für Klimaschutz und regionale Wertschöpfung. Die internationale Dimension direkt vor der Haustür beleuchtete Susanne Pimentel (Naturschutzzentrum Karlsruhe-Rappenwört) am Beispiel der grenzüberschreitenden Ramsar-Zusammenarbeit am Oberrhein.

Urbane Zukunft und die nächste Generation
Innovative Ansätze für die Zukunft des urbanen Feuchtgebietsschutzes präsentierten Udo Gattenlöhner (Geschäftsführer des Global Nature Fund), Marion Klose (Leiterin des Amts für Stadtplanung und Umwelt der Stadt Konstanz) und Dr. Mathias Scholz (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ). Im Zentrum des Gesprächs standen Zukunftsmodelle für eine nachhaltige städtische Entwicklung, wie die Auszeichnung „Wetland City“ der Ramsar Konvention, sowie die komplexen Herausforderungen eines nachhaltigen städtischen Wassermanagements am Beispiel von Konstanz und der Renaturierung im Leipziger Auwald.

Die Botschaft war eindeutig: Moderne Stadtentwicklung und wirksamer Naturschutz schließen sich nicht aus – sie ergänzen sich.

Nationale und internationale Expertinnen und Experten Ann Christin Kornelsen (Gründerin Mission to Marsh gGmbH), Elena Kmetova-Biro (Projektkoordinatorin LIFE WILDisland), der Ramsar-Jugendvertreter für Deutschland Moritz Röhlke sowie Dr. Mumba diskutierten über die gesellschaftliche Wahrnehmung von Mooren und Feuchtgebieten, internationale Kooperationen im Rahmen der Konvention, die Beteiligung junger Menschen sowie politische und praktische Herausforderungen bei Schutz und Wiederherstellung von Feuchtgebieten. Die Diskussionsrunde beleuchtete dabei auch konkrete Perspektiven für Deutschland und zeigte auf, welche Chancen sich aus einer stärkeren Vernetzung von Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft ergeben.

Zum Abschluss des Vormittages fand Rita Schwarzelühr-Sutter eindringliche Worte, die die Zukunftsrelevanz der Feuchtgebietsarbeit unterstrichen.

Vom Konferenzsaal in die Praxis: Exkursionen in die Ramsar-Gebiete
Nach einem intensiven Vormittag und einer Pause wechselten die Teilnehmenden bei hochsommerlichen Temperaturen von über 30 Grad direkt in die Feuchtgebiete. Auf drei verschiedenen Exkursionsrouten erlebten die Gäste lebendigen Naturschutz hautnah im Feuchtgebiet internationaler Bedeutung „Bodensee: Wollmatinger Ried - Gierenmoos und Mindelsee“. Die Führungen durch das Wollmatinger Ried – das größte und älteste Naturschutzgebiet am deutschen Bodenseeufer und Herzstück des dortigen Ramsar-Areals – wurden vom NABU-Bodenseezentrum geleitet. Der BUND Baden-Württemberg führte die Gruppe um den Mindelsee und demonstrierte eindrucksvoll, wie der Erhalt naturnaher Wälder und Niedermoore aktiv zur regionalen Biodiversität beisteuert und gleichzeitig internationale Schutzstandards erfüllt. Die Exkursionen machten unmissverständlich deutlich: Die Ramsar-Gebiete sind keine statischen Denkmäler, sondern vitale Zukunftsorte des globalen Klimaschutzes.

 

Die Jubiläumsveranstaltung veranschaulichte: 50 Jahre nach dem Beitritt Deutschlands zur Ramsar-Konvention sind Feuchtgebiete wichtiger denn je. Das gemeinschaftliche Engagement und die vielfältigen Beiträge haben diesen Tag zu etwas ganz Besonderem gemacht – voller inspirierender Begegnungen und starker Impulse für den bundesweiten Feuchtgebietsschutz