24.04.2026
„Kopfsalat“ geht in
eine neue Runde – mit zwei neuen Folgen startet die Sonderedition zum Thema Einsamkeit.
Den Auftakt machen zwei Folgen mit dem Schwerpunkt Armut: Moderator Sven Haeusler spricht darin mit der Journalistin und Autorin Miriam Davoudvandi sowie mit der
Journalistin und Autorin Mareice Kaiser über die Zusammenhänge von Armut und Einsamkeit.
In der ersten
Sonderfolge von „Kopfsalat“ zum Thema Einsamkeit spricht Moderator Sven Haeusler mit der Journalistin, Autorin und Podcasterin Miriam Davoudvandi über Armut in Deutschland und die Verbindung zu Einsamkeit. Ausgangspunkt des Gesprächs ist ihr kürzlich erschienenes Debüt „Das können wir
uns nicht leisten“, in dem sie ihr Aufwachsen in prekären Verhältnissen beschreibt.
Im Gespräch geht es um mehr als finanzielle Einschränkungen. Miriam Davoudvandi spricht über Scham, über fehlende Teilhabe und wie früh soziale Unterschiede im
Alltag spürbar werden – etwa in der Schule, in Freundschaften oder bei Freizeitaktivitäten.
Diese Erfahrungen prägen nicht nur äußere Möglichkeiten, sondern auch den Blick auf sich selbst: „Es geht nicht nur ums Monetäre, es geht um den eigenen Selbstwert,
den Armut einem nimmt.“
Die Verbindung zwischen Armut und psychischer Gesundheit spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Journalistin, die selbst einen Podcast zu psychischer Gesundheit
moderiert, beschreibt es als wechselseitigen Zusammenhang: „Wer arm ist, der wird eher psychisch krank. Wer psychisch krank wird, bleibt eher arm.“ Strukturelle Bedingungen, fehlende Ressourcen
und gesellschaftliche Zuschreibungen greifen für sie ineinander und können Gefühle von Einsamkeit oder Isolation stark beeinflussen.
Miriam Davoudvandis persönliche Einblicke zeigen, dass Armut den Alltag und zwischenmenschliche Beziehungen oft dort beeinflusst, wo sie für nicht von Armut
betroffene Menschen unsichtbar bleibt. Sie lenkt den Blick dabei auch auf familiäre Verantwortungen und gesellschaftliche Narrative, die den Umgang mit Armut prägen und aus ihrer Perspektive viel
zu selten offen besprochen werden.
In der zweiten Folge von „Kopfsalat“ zum Thema Einsamkeit spricht Moderator Sven Haeusler mit der Journalistin, Autorin und Moderatorin Mareice Kaiser über die
strukturellen Ursachen von Armut. Gemeinsam gehen sie der Frage nach, warum Einsamkeit kein rein individuelles Gefühl ist, sondern tief mit gesellschaftlichen Bedingungen zusammenhängt.
Mareice Kaiser hat für ihre Arbeit über Jahre viele Gespräche mit armen und reichen Menschen über ihre Lebensrealitäten geführt. Sie beschreibt die daraus gewonnenen
Erkenntnisse und schnell wird klar: Armut ist mehr als ein Mangel an Geld. Sie beschreibt, wie finanzielle Einschränkungen Möglichkeiten begrenzen und das oft schon früh im Leben – etwa bei
Bildung, kultureller Teilhabe oder der Entdeckung und Entfaltung eigener Talente. Diese Unterschiede sind für sie nicht zufällig. „Armut ist ein politisch gemachtes Problem“, sagt sie und stellt
damit die weit verbreitete Erzählung infrage, dass Leistung allein über Lebenswege entscheidet.
Sie macht zudem deutlich, wie stark Armut in unserer Gesellschaft mit Schuldzuweisungen verknüpft ist und welche Folgen das hat: „Armutsbetroffene Menschen werden
beschämt und Scham macht einsam.“ Wer sich schämt, ziehe sich zurück, spreche weniger über die eigene Situation und verliere zunehmend den Anschluss. Einsamkeit entsteht im Kontext von Armut so
nicht durch fehlende Kontakte, sondern durch das Gefühl, nicht dazuzugehören und sich nicht zeigen zu können.
Dabei zeigt die Journalistin auch, wie eng Armut, gesellschaftliche Narrative und Selbstwahrnehmung miteinander verwoben sind. Wenn Menschen tief verinnerlichen,
selbst verantwortlich für ihre Lage zu sein, beeinflusst das nachhaltig ihr Selbstwertgefühl und ihre Handlungsfähigkeit. Rückzug, Isolation und eingeschränkte Teilhabe führen in einen Kreislauf,
aus dem es schwer auszubrechen sei. Mareice Kaiser plädiert deshalb für einen Perspektivwechsel: weg von individuellen Schuldfragen, hin zu strukturellen Lösungen und mehr gesellschaftlicher
Verantwortung im Umgang mit Armut und Einsamkeit.
Diese Folgen sind Teil der Sonderedition Einsamkeit. Die Staffel wird durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ)
gefördert.
Wir weisen darauf hin, dass die Veröffentlichung keine Meinungsäußerung des BMBFSFJ darstellt. Die Verantwortung für den Inhalt der Veröffentlichung liegt bei den
Autor*innen.
Der Freunde fürs Leben-Podcast Kopfsalat erscheint zweimal monatlich und ist auf frnd.de sowie auf den gängigen
Podcast-Plattformen wie Apple Podcasts, Spotify, Deezer und RTL+
abrufbar. Die Sonderedition Einsamkeit wird von der KKH Kaufmännische Krankenkasse gefördert. Der Moderator ist Filmemacher und Journalist Sven Haeusler.
Seit 2001 klärt der gemeinnützige Verein Freunde fürs Leben e.V. Jugendliche und junge Erwachsene über mentale Gesundheit, Depression und Suizid auf. Denn durch gezielte Informationsvermittlung
über Warnsignale, Hilfsadressen und Therapiemöglichkeiten ist Suizidprävention möglich.
Autorin: Freunde fürs Leben e.V.; zusammengestellt von Gert Holle - 23.04.2026
