
22.05.2026
(Berlin/frnd) - In zwei neuen Folgen des Podcasts Kopfsalat von Freunde fürs Leben e.V. sprechen unsere Gäste über Einsamkeit und wie eng dieses Gefühl mit Migration, Herkunft und der Suche nach Zugehörigkeit verbunden ist. In der ersten Folge spricht der Regisseur und Creative Director Andrej Filatow über das Aufwachsen zwischen zwei Kulturen, mit Sprachbarrieren und die Erfahrung, sich trotz vieler Menschen um sich herum isoliert zu fühlen. In der zweiten Folge spricht die Journalistin und Autorin Gilda Sahebi darüber, wie Zugehörigkeit entsteht, warum gesellschaftliche Spaltung Einsamkeit verstärken kann und weshalb echte Verbindung oft zuerst bei einem selbst beginnt.
Podcast „Kopfsalat“: Einsamkeit und Migration
In der neuen Sonderfolge von „Kopfsalat“ zum Thema Einsamkeit ist der Regisseur und Creative Director Andrej Filatow, kurz Filatow, zu Gast. Er spricht über Migration und erörtert, wie Einsamkeit oft dort entsteht, wo sie kaum sichtbar ist. Der kreative Kopf, der in Kasachstan geboren wurde und in den 1990ern nach Deutschland kam, teilt persönliche Erinnerungen an das Ankommen in einer neuen Realität, die wenig mit den Erwartungen seiner Familie zu tun hatte.
Im Gespräch wird schnell klar: Einsamkeit beginnt nicht im Alleinsein. Andrej Filatow beschreibt, wie Sprachbarrieren, bürokratische Hürden und gesellschaftliche Abgrenzung dazu führen können, dass man sich selbst in einer Großstadt und umgeben von einer Menge Menschen isoliert fühlt. „Du kannst einfach schon mal durch die Sprachbarriere nicht mit jedem instant befreundet sein“, sagt er und bringt damit auf den Punkt, wie sehr fehlende Verständigung Zugehörigkeit erschwert.
Besonders eindrücklich sind seine Beobachtungen aus der eigenen Familie. Er erzählt, wie sich seine Mutter in Deutschland oft nicht durchsetzen konnte und wie sehr Sprache darüber entscheidet, ob man gehört wird oder nicht. Erst bei einem Besuch in ihrer alten Heimat erlebt er seine Mutter selbstbewusst und klar: ein Moment, der zeigt, wie tiefgreifend und stark Migration auch das eigene Auftreten und Selbstbild verändern kann.
Andrej Filatow verbindet persönliche Erfahrungen mit einem klaren Blick auf gesellschaftliche Dynamiken. Zwischen Humor, Selbstreflexion und präzisen Beobachtungen entsteht mit Moderator Sven Haeusler ein Gespräch, das deutlich macht: Einsamkeit im Kontext von Migration ist nicht nur individuell, sondern auch strukturell, und damit etwas, das sich als Gesellschaft gemeinsam verändern lässt.
In der zweiten Sonderfolge von „Kopfsalat“ zum Thema Einsamkeit und Migration ist die Journalistin, Autorin und Politikwissenschaftlerin Gilda Sahebi zu Gast. Mit Moderator Sven Haeusler spricht sie über Zugehörigkeit, gesellschaftliche Spaltung und warum Einsamkeit oft viel tiefer geht als das Gefühl, allein zu sein.
Gilda Sahebi wurde im Iran geboren und kam als Kind mit ihrer Mutter nach Deutschland. Heute gehört sie zu den wichtigsten Stimmen, wenn es um gesellschaftliche Machtverhältnisse, Migration, Polarisierung und Menschenrechte geht. Im Gespräch verbindet sie persönliche Erfahrungen mit analytischer Schärfe und beschreibt, wie sehr das Gefühl von Zugehörigkeit von inneren und äußeren Bedingungen geprägt wird.
Besonders eindrücklich spricht sie darüber, dass Zugehörigkeit nicht dauerhaft von außen kommen kann. „Ich kann nur annehmen, was schon in mir ist“, sagt sie und beschreibt das Gefühl, immer wieder gegen eine Wand gelaufen zu sein, wenn sie versucht hat, sich Zugehörigkeit über Beziehungen, Arbeit oder Anerkennung zu holen.
Die Journalistin erklärt, wie politische und mediale Narrative gezielt Spaltung erzeugen können und warum das ständige „Wir gegen die“ nicht nur den gesellschaftlichen Umgang miteinander verändert, sondern auch Isolation und Einsamkeit verstärken kann. Gleichzeitig zeigt sie aber auch, dass die Realität oft viel solidarischer ist, als öffentliche Debatten glauben machen.
Zwischen persönlichen Erinnerungen, politischen Analysen und sehr emotionalen Momenten entsteht ein Gespräch über Migration, Identität und die Frage, wie Menschen trotz gesellschaftlicher Spannungen Verbindung finden können. Entstanden ist eine Folge über das Bedürfnis, gesehen zu werden und darüber, warum echte Zugehörigkeit vielleicht genau dort beginnt, wo man lernt, sich selbst nicht mehr auszuschließen.
Hinweis:
Diese Folgen sind Teil unserer Sonderedition Einsamkeit. Die Staffel wird durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gefördert.
Die Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung des BMBFSFJ dar. Die Verantwortung für den Inhalt der Veröffentlichung liegt bei den Autor*innen.
Der Freunde fürs Leben-Podcast Kopfsalat erscheint zweimal monatlich und ist auf frnd.de sowie auf den
gängigen Podcast-Plattformen wie Apple Podcasts, Spotify, Deezer und RTL+ abrufbar. Die
Sonderedition Einsamkeit wird von der KKH Kaufmännische Krankenkasse gefördert. Der Moderator ist Filmemacher und Journalist Sven Haeusler.
Autor: Freunde fürs Leben e.V.; zusammengestellt von Gert Holle - 22.05.2026
