
24.06.2026
Zum ersten Mal ist in Saarburg die Synodalversammlung zusammengekommen und hat sich zu schon vorhandenen Potenzialen und Impulsen für die Zukunft der Kirche in der Region ausgetauscht.
Von Simone Bastreri
(Tawern/sb) – Zum ersten Mal ist am 20. Juni im Pastoralen Raum Saarburg die Synodalversammlung zusammengekommen: Rund 70 haupt- und ehrenamtlich in der Kirche vor Ort engagierte Menschen, die sich ausgetauscht und Ideen für die Zukunft in ihren sechs Pfarreien diskutiert haben.
Meilensteine auf dem bisherigen Weg des Pastoralen Raums
Bei hochsommerlichen Temperaturen trafen sich im Tawerner Bürgerhaus Vertreterinnen und Vertreter von Pfarrgremien, Caritaseinrichtungen, Kirchenchören, Kitas oder der Lebensberatung und die Mitarbeitenden in Seelsorge oder Verwaltung des Pastoralen Raums, um einen Blick auf schon vorhandene Potenziale und Zukunftschancen zu werfen. Dazu skizzierte das Leitungsteam, bestehend aus Diakon Timo Wacht, Dekan Georg Goeres und Thomas Lessinger, einige Meilensteine seit Gründung des Pastoralen Raums Anfang 2023. Der Raum hatte das ehemalige Dekanat als neue Struktureinheit abgelöst, blieb aber flächenmäßig deckungsgleich. Zum 1. Januar 2024 waren die bestehenden Pfarreiengemeinschaften zu sechs Pfarreien fusioniert und das gesamte Seelsorge-Personal der Kirchengemeinden war auf Ebene des Pastoralen Raums übertragen worden. 2024 konstituierte sich der Rat des Pastoralen Raums, jenes Gremium, das Schwerpunkte in der Seelsorge setzt. Man habe das gemeinsame Motto „Mit dir hat Kirche Zukunft“ vereinbart und bereits zwei größere Projekte angestoßen, berichtete Ratsvorsitzende Sandra Arnoldy: Zum einen die große Auftaktveranstaltung im Herbst 2024 in der Saarburger Stadthalle mit dem Fokus auf Vernetzung; zum anderen die Idee eines Weinstands auf dem Saarburger Weinfest, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen und dem Pastoralen Raum ein Gesicht zu geben.
Kirche mit Angeboten für alle Generationen präsent – muss jedoch besser kommuniziert werden
Nach einer kleinen Stellübung „mit moderater Bewegung bei der Hitze“, wie Engagemententwicklerin Nicole Zehren schmunzelnd erklärte, zeigte sich die Vielfalt der Orte, an denen sich Menschen in der katholischen Kirche einsetzen: Von katholischen Kitas über die Lebensberatung oder das Lebenscafé bis hin zu ehrenamtlichen Lektoren, Kommunionhelfern, oder Messdienerleitungen. Nach Berufsgruppen, ehrenamtlicher Tätigkeit oder Pfarreien aufgestellt, ergaben sich immer wieder neue übergreifende Vernetzungen zwischen den Anwesenden. Dass einige dieser Einrichtungen – etwa die Lebensberatung – von Menschen häufig gar nicht primär mit „katholischer Kirche“ verknüpft werden, wurde bei Gesprächen in Kleingruppen während einer ersten Workshopphase thematisiert. Auch seien vor allem die Ehrenamtlichen vor Ort das „Gesicht der Kirche“. Sie seien präsent, oft seit Jahrzehnten Ansprechpartner, und müssten gut gefördert und begleitet werden. Annika Terres vom Jugendzentrum Saarburg sagte, Kirche habe durchaus Angebote von Jung bis Alt, jedoch sei es wichtig, eine moderne Sprache, auch durch neuere Lieder und Musik, in den Gottesdiensten für jüngere Menschen zu finden. Bischof Stephan Ackermann, der an den Tischen mitdiskutierte, sagte, es bestürze ihn, dass Gottesdienste nachweislich Hürden für sozial schwächere, ärmere Menschen darstellten. Hier müsse die Kirche mehr niedrigschwellige Formate finden. In anderen Gruppen ging es darum, in den größer werdenden Räumen Gottesdienstformate besser auf Zielgruppen zuzuschneiden. Vor allem komme es auf eine pfarreiübergreifende Kommunikation und Zusammenarbeit an.
„Nicht Sterbehelfer, sondern Geburtshelfer“ der Kirche vor Ort sein
Methodisch arbeiteten die Delegierten in ihren Workshops mit neun Faktoren, die Autor Alexander Garth in seinem Buch „Untergehen oder umkehren – warum der christliche Glaube seine beste Zeit noch vor sich hat“ benennt und die Menschen heute noch für Kirche begeistern können. Dazu zählen unter anderem eine offene Willkommenskultur, die Schönheit und Ästhetik von Gottesdienstformen, gelebte Nächstenliebe sowie die Fähigkeit der Kirche, Antworten auf Sinn- und Lebensfragen zu geben und die Gegenwart Gottes im eigenen Leben erfahrbar werden zu lassen.
Die Delegierten konnten diese Faktoren persönlich werten und dazu in vorbereitete Glasbehälter kleine Bälle werfen. Durch diese Abstimmung – gemeinsam mit Impulskarten und Feedback – konnte die Versammlung dem Leitungsteam und dem Rat „Hausaufgaben“ mit auf den Weg geben. Drei spirituelle Angebote rundeten den Tag ab: Das von Gemeindereferentin Anja Hoffmann gestaltete Morgenlob, ein Mittagsgebet mit Diakon Vinzenz Geltz und der Abschlussgottesdienst mit Bischof Ackermann. Einen der prägendsten Sätze formulierte der junge Priester Jonas Staudt, Pfarrer in Obermosel-Saargau St. Bartholomäus: „Wir wollen nicht immer über die Kirchen- und Glaubenskrise jammern, nur auf sinkende Zahlen von Gläubigen und kirchlichen Berufen schauen, sondern auf das Positive, auf die vielen engagierten Menschen in unseren Gemeinden, die etwas Gutes für die Gesellschaft und den Zusammenhalt tun. Wir wollen nicht die Sterbehelfer unserer Kirche sein, sondern Geburtshelfer für Neues.“
Mehr Informationen gibt es unter: www.pr-saarburg.de.
