
6.07.2026
Zu einer Informationsveranstaltung zur Zukunft der Abtei Himmerod sind gut 50 Personen gekommen.
Von Judith Rupp
(Großlittgen/jr) – Rund 50 Personen sind zu einer Informationsveranstaltung am 4. Juli zur Zukunft des Klosters Himmerod gekommen. Auf dem Gelände der Abtei stellten Josef Hennebrüder (I.D.G. Genossenschaft Düsseldorf) und Frank Achim Kirsch, Experte für die Transformation von Liegenschaften und Quartieren (wahrZeichen Köln) gemeinsam mit den Vertretern des Trägervereins den Plan vor, das frühere Zisterzienser-Kloster mit Hilfe einer Genossenschaft zu einem geistlich geprägten Quartier mit genossenschaftlichem Wohnen für alle Generationen zu transformieren.
Prof. Dr. Reinhold Bohlen, Rektor der Abteikirche Himmerod und Beauftragter des Trierer Bischofs Dr. Stephan Ackermann für das ehemalige Kloster, betonte, Himmerod solle als „geistlicher Kraftort“ erhalten bleibe, der im Kern Ruhe, Spiritualität und Wohnen in Gemeinschaft und Natur anbiete.
Befragung zeigt großes Interesse an gemeinsamem Wohnen und Leben
Ausgangspunkt für die Idee ist eine repräsentative Befragung unter Mitgliedern, Gästen, Unterstützer*innen und Reisenden im Auftrag des Trägervereins Kloster Himmerod o.Cist. e.V., die Frank Achim Kirsch durchgeführt und ausgewertet hat: „Die Befragung unterstützt die Abtei Himmerod als spirituell geprägten, lebendigen Generationenort. Die Befragten sehen genossenschaftliches Wohnen als ein anschlussfähiger Baustein, wenn Charakter, Ruhe und Einzigartigkeit des Klosters gewahrt bleiben.“ Gewünscht werde ein maßvolles, kulturell eingebettetes und zeitlich anpassungsfähiges Wohnmodell, erläuterte Kirsch und schränkte ein: „Die Zustimmung gilt nicht für jede Nutzung, sondern nur für eine behutsame Weiterentwicklung, die Himmerod als Kloster und Heimat weiterdenkt.“
Mit diesem Konzept werde Versorgung, Gemeinschaft und Teilhabe gestärkt, sagte Andreas Trogsch, Leitender Direktor im Bischöflichen Generalvikariat Trier: „Das ist eine mögliche Antwort auf den demographischen Wandel und drohende Vereinsamung hin zu einer Lebenshilfe-Gemeinschaft.“ Auch Bistumsökonom Manfred Wagner begrüßte die Idee: „Die Nutzungsmischung schafft Stabilität: Wohnen auf Zeit, dauerhaftes Wohnen, Meditation, Kultur und Infrastruktur kommen hier zusammen.“
Gründung der Genossenschaft ist erfolgt
Hennebrüder erläuterte, die Genossenschaft „Abtei Himmerod eG“ sei am 30. Juni in Himmerod gegründet worden. Gründungsmitglieder sind neben Bohlen, Trogsch und Wagner die I.D.G. Dachgenossenschaft eG und die Victor Vermögensverwaltung AG.
Ein Anteil wird 1.500 Euro (plus monatlich einem Beitrag von 20 Euro) sowie 500,00 € Eintrittsgeld kosten, sagte Genossenschaftsexperte Hennebrüder. Die Anteile und damit gegebenenfalls verbundene Nutzungsrechte seien vererbbar. Die Genossenschaft biete verschiedene Möglichkeiten zum Erwerb von Anteilen: einzelner Anteil als Förderer oder Unterstützer ohne Wohnungs- oder sonstige Nutzungsrechte; mehrere Anteile als Investment gegen geringe Verzinsung; Anteilserwerb in Abhängigkeit von der Größe damit verbundener Nutzungsrechte an Wohnungen oder sonstigen Räumen/Flächen zur eigenen Nutzung oder zur Vermietung (dauerhaft oder für Kurzzeitaufenthalte).
Realisierungs-Werkstatt mit Quartierpotentialanalyse
Zum Umsetzungsplan sagte Hennebrüder: „Ein erster Abschnitt kann realisiert werden, wenn für etwa 500 Quadratmeter von ungefähr 5.400 Quadratmetern vorhandenen Flächen Anteile von Mitgliedern gezeichnet sind.“
Die nächsten Schritte sind nun die Gründung einer Stiftung durch die Genossenschaft zur Absicherung der Kirche und des Museums. Dann soll es eine „Realisierungs-Werkstatt“ geben. Hier hilft eine Quartierpotentialanalyse von Frank Achim Kirsch zur Neuausrichtung des Areals Himmerod als Genossenschaft mit Quartiermanagement für ein nachhaltige, werterhaltende Immobilie und integrative Nachbarschaft. Er stellte vier Optionen für Nutzerpotentiale und genossenschaftliches Wohnen vor.
Bischof Ackermann will Anteile erwerben
Bischof Ackermann nannte in einem Videogruß an die Teilnehmenden der Info-Veranstaltung die Idee eine „wirkliche Perspektive“ und die Ergebnisse der Umfrage eine tragfähige Basis. Das Konzept verschiedener Möglichkeiten des Wohnens und dadurch „auch teilzuhaben an Himmerod“ führe auf eigene Weise die ursprüngliche Idee des Klosters fort: eine Gemeinschaft mit Menschen, die bereit seien, den Ort zu beleben und ein großes Interesse daran haben, dass Himmerod als spiritueller Ort erhalten bleibe, in der „Einzigartigkeit, mit der besonderen Atmosphäre, der Prägung seit der Zeit des Heiligen Bernhard“. Gleichzeitig gehe es darum, mit einem zukunfts- und tragfähigen Konzept dafür zu sorgen, dass Himmerod Bestand haben könne. Er selbst werde ebenfalls Anteile an der Genossenschaft erwerben, machte der Bischof transparent.
Rektor Bohlen äußerte seine Hoffnung, dass die Genossenschaft den Rahmen bieten werde, der Beteiligung, Verantwortung und wirtschaftliche Unterhaltung nachhaltig verbinde. „Ich wünsche mir, dass Himmerod dadurch auch ein Vorreiter wird: ein Modellort für die Zukunft kirchlicher Liegenschaften im Miteinander von Bewahrung und Erneuerung. Dann können wir das große kirchliche Erbe bewahren und die Abtei Himmerod als lebendigen Zukunftsort neu wirksam machen.“
Alle Informationen zu Planung und Konzeption sowie die Unterlagen bei Interesse an der Genossenschaft sind unter www.zukunft-himmerod.de zu finden.
