„Dings“ als Hidden Champion

Fotoquelle: canva.com
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Haben Sie sich im Sommerurlaub schon mal dabei ertappt, wie Sie am Strandkiosk standen und sagten: „Ich hätte gerne zwei Kugeln von dem… äh… Eis-Dings da“? Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gerade die vermeintlich wichtigste Vokabel der deutschen Sprache benutzt.

 

Wenn die Sprachwissenschaft unsere Schriftsprache auf die meist be- und genutzten Worte untersucht, landen dort immer die üblichen Verdächtigen auf Platz eins: der, die, das, und, in. Das ist die Theorie. In der Praxis, also da, wo die Sonne scheint und das Leben am See, auf dem überfüllten Wanderweg oder in dem wunderschön gelegenen Bergrestaurant stattfindet, sieht die Sache selbst-redend völlig anders aus. Würde man unser gesprochenes Deutsch aufzeichnen, sähe die Hitliste (selbstverständlich nicht empirisch validiert, sondern basierend auf Zuhör-Statistiken) unserer Sprache eher so aus:

 

Platz 3: „Also“

Das Schweizer Taschenmesser der Rhetorik. Wir nutzen es, um Gespräche zu beginnen, um Pausen zu überbrücken, oder um elegant das Thema zu wechseln, wenn uns die Hitze das Gehirn verklebt hat. „Also… gehen wir jetzt baden?“

 

Platz 2: „Ja“

Nicht zu verwechseln mit dem schlichten Gegenteil von „Nein“. Das Alltags-„Ja“ ist ein Chamäleon. So zeigt ein «hast du gesagt, ja» v.a. ein „Ich höre dir zu“. Oder ein „Das war ja mal wieder klar“ will v.a. verstärken und spielt mit versteckten Hierarchien in der Kommunikation. Manchmal deklariert es auch einfach eine vermeintliche Selbstverständlichkeit, wie z.B. „Fühlt sich gerade sehr heiss an, es hat ja auch 30 Grad“.

 

Platz 1: „Dings“

Die Wortkönigin des Alltags. Während wir beim Schreiben mühsam nach Begriffen wie „Sonnenmilch-Applikator“ oder „Hängematten-Befestigungshaken“ suchen, löst man im gesprochenen Wort das Problem in Millisekunden. „Reich mir mal das Dings.“ Und das Wunder ist: Jeder weiss sofort, was gemeint ist….meistens. „Dings“ ist die sprachliche Flatrate für alles, was uns gerade zu anstrengend zum Nachdenken ist.

 

Das Fazit?

Wir Deutschsprachigen Menschen gelten (ja) weltweit als Teil des Volkes der Dichter und Denker, das für jedes Detail ein eigenes, dreissigbuchstabiges Wort parat hat. Aber im Alltag, zwischen Freibadpommes und lauen Sommerabenden, sind wir vor allem eins: herrlich pragmatisch. (Also) wir brauchen keine komplizierte Grammatik, um uns zu verstehen. Ein freundliches „Ja, also… Dings halt, ne?“ reicht völlig aus, um die Welt zu erklären.

 

In diesem Sinne: Geniessen Sie den Sommer. Und vergessen Sie die… wie heisst das Dings nochmal…ach ja, die Sonnenbrille…nicht!

 

 

 

 

Zum Autor

Foto: privat
Foto: privat

Stefan Häseli ist Experte für glaubwürdige Kommunikation, Keynote-Speaker, Moderator und Autor mehrerer Bücher. Als ausgebildeter Schauspieler mit jahrelanger Bühnenerfahrung schreibt er ganze Abendprogramme selbst. Dazu kommen Engagements in Kinofilmen, TV-Serien, TV-Werbespots und Schulungsfilmen. Er betreibt ein Trainingsunternehmen in der Schweiz. Häseli ist mehrfach international ausgezeichneter Redner und Trainer. Die Kommunikation in ihren unterschiedlichen Welten und die Details in der Sprache faszinieren ihn und prägten seinen beruflichen Werdegang. Er begeistert in seinen Fachartikeln und Kolumnen mit feinsinnigem Humor. https://stefan-haeseli.com/.

 

 

Sein aktuelles Buch «Praxisbuch Krisenkommunikation» das er mit Marco Cortesi, dem ehemaligen Mediensprecher der Stadtpolizei Zürich geschrieben hat, ist Mitte Februar 2025 im Wiley-Verlag erschienen

 

 


Autor: Stefan Häseli; zusammengestellt von Gert Holle -  30.06.2026