Zoo Zürich: Das Töten von „Überschusstieren“ ist kein Naturschutz

Gelada. Referenzbild Fondation Franz Weber
Gelada. Referenzbild Fondation Franz Weber

12.03.2026

 

Von Fondation Franz Weber – 11. März 2026

(Zürich/fw) - Der Zoo Zürich hat am 3. und 4. März 2026 zehn Gelada euthanasiert. Die Tiere galten als „Überschuss“, da die Gruppe im Gehege „Simien Mountains“ eine Größe erreicht hatte, die der Zoo nach eigenen Angaben nicht mehr bewältigen konnte. Für die Fondation Franz Weber (FFW) ist dies ein Symptom eines strukturellen Problems von Zoos: Fortpflanzung wird zugelassen, obwohl die Infrastruktur nicht in der Lage ist, die Tiere langfristig aufzunehmen – und sobald der Platz knapp wird, werden sie getötet.

Geladas sind hochsoziale Primaten, die in ihrer natürlichen Umgebung in komplexen Gesellschaften leben, die aus Dutzenden, mitunter sogar Hunderten von Individuen bestehen können. Solche Sozialstrukturen in Gefangenschaft nachzubilden, ist äußerst schwierig. In vielen Zoos werden Spannungen innerhalb der in Gefangenschaft gehaltenen Gruppen regelmäßig als Begründung für drastische Eingriffe angeführt.

Im Fall des Zoos Zürich beruhen die Euthanasien jedoch nicht auf einer unvorhersehbaren Notsituation, sondern auf einer Managemententscheidung. Den vorliegenden Informationen zufolge durfte die Gruppe auf bis zu 48 Individuen anwachsen, bevor schließlich Tiere – bei bester Gesundheit und darunter mehrere sehr junge – getötet wurden, als weder Platz noch Transfermöglichkeiten mehr vorhanden waren.

„Wenn gesunde Primaten in einem System gezüchtet werden, das bereits weiß, dass es an Platz mangelt, und anschließend getötet werden, weil kein Raum mehr vorhanden ist, hat das nichts mit Naturschutz zu tun. Es ist das strukturelle Scheitern eines Managementmodells der Gefangenschaftshaltung. Im Fall der Geladas ist diese Praxis umso schwieriger zu rechtfertigen, als es sich nicht um eine bedrohte Art handelt und bislang kein einziges im Zoo geborenes Tier jemals in die freie Wildbahn wiederangesiedelt wurde.“
— Tomas Sciolla, Spezialist für Biodiversitätsschutz und die Transformation von Zoos, Fondation Franz Weber.

Die FFW weist zudem darauf hin, dass Alternativen existieren, insbesondere Empfängnisverhütung oder eine kontrollierte Fortpflanzungssteuerung, die in der Populationsverwaltung von Tieren weit verbreitet sind.

Tiere in einem System zur Welt kommen zu lassen, das seine eigenen Grenzen kennt und sehr genau weiss, dass es sie langfristig nicht aufnehmen kann, um sie anschließend zu töten, sobald sie als „Überschuss“ gelten, stellt eine inakzeptable Praxis dar. Sie könnte sogar den grundlegenden Prinzipien des Schweizer Tierschutzgesetz (TSchG) widersprechen. Diese Praxis kann keinesfalls als Beitrag zum Schutz der Natur betrachtet werden.