
16.06.2026
Die Aktion Arbeit im Bistum Trier fördert sieben Projekte gegen Arbeitslosigkeit mit über 83.500 Euro für mehr Chancen auf Ausbildung, Qualifizierung und den Weg zurück ins Arbeitsleben.
Von Simone Bastreri
(Trier/Koblenz/Saarbrücken/bt) – Die Aktion Arbeit im Bistum Trier wird sieben Projekte gegen Langzeitarbeitslosigkeit und Jugendarbeitslosigkeit in Höhe von über 83.500 Euro unterstützen. Projektpartner sind etwa die Erwerbslosenhilfe Püttlingen, der Caritasverband Rhein-Mosel-Ahr mit seinen Programmen „Fit für die Pflege“ und „Betreuungsassistenz“, der VBS Sohrschied, der jungen benachteiligten Menschen im Hunsrück die Chance auf eine Tischler-Lehre gibt, oder das Haus der offenen Tür Sinzig mit seinem Programm „From school to future“. So verschieden die geförderten Initiativen sind: Sie alle helfen entweder jungen Menschen in einen Beruf, unterstützen Arbeitslose bei Fort- und Weiterbildung oder versuchen, Langzeitarbeitslosen mit wenig Chancen auf dem regulären Arbeitsmarkt trotzdem zu Arbeit – und damit einer sinnstiftenden Tätigkeit – zu verhelfen.
Begleiten, qualifizieren, unterstützen
Die gemeinnützige Gesellschaft 3B –Begleiten-Bilden-Begegnen in Dillingen etwa eröffnet langzeitarbeitslosen Menschen mit „Vermittlungshemmnissen“, wie es in der Fachsprache heißt, Perspektiven auf Beschäftigung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Sie bezuschussen reguläre, sozialversicherungspflichtige Jobs mit bis zu 100 Prozent – ob im Büro, im technischen Dienst oder der Hauswirtschaft. Die Arbeitsgelegenheiten geben dem Alltag eine Struktur; sie helfen, Hemmnisse zu überwinden, und führen an den ersten Arbeitsmarkt heran. Mit dem Projekt „Kostüme und Co.“ werden seit einigen Jahrzehnten Frauen unterstützt, die im Kostümverleih, der Schneiderei oder dem Second-Hand-Laden arbeiten. Nebenbei werden sie bei individuellen Problemen unterstützt, qualifiziert, sozialpädagogisch begleitet und es werden gemeinsam berufliche Perspektiven entwickelt. Außerdem gibt es ein Sprachmodul für Teilnehmerinnen mit unzureichenden Deutschkenntnissen. 12.500 Euro wird es von der Aktion Arbeit für das Projekt geben.
Ein weiteres Beispiel ist die Erwerbslosenhilfe Püttlingen. Sie führt seit Jahrzehnten Weiterbildungen und Umschulungen im Metallbereich durch – auch im Auftrag der Jobcenter. Jetzt soll auch hier der fortschreitenden Digitalisierung Rechnung getragen und die veraltete PC-Software erneuert werden. Dafür wird die Aktion Arbeit 12.500 Euro bezuschussen.
Hilfe vom Hunsrück bis nach Sinzig
Der Verein Berufliches und Soziales Lernen (VBS) Sohrschied wird schon seit 2009 finanziell von der Aktion Arbeit unterstützt – womit damals die Schließung der Ausbildungsstätte verhindert wurde. Hier erhalten benachteiligte junge Menschen mit ungünstigen Startbedingungen, darunter inzwischen auch viele Geflüchtete, die Chance, das Tischlerhandwerk zu erlernen und die Gesellenprüfung zu machen. Oft sind die jungen Auszubildenden belastet durch psychische Probleme, kommen aus sozial schwierigen Verhältnissen oder waren in einer Lebenskrise. Die Mitglieder des Vereins erbringen all ihre Leistungen ehrenamtlich – außer ein fest angestellter Tischlermeister, der die jungen Leute anlernt. Hier wird die Aktion Arbeit mit 12.000 Euro helfen.
Im Raum Koblenz ist die CarMen (Caritas für Menschen in Beschäftigung) seit langem ein Begriff. Sie ist ein Inklusionsbetrieb und bietet Arbeit für Menschen mit Beeinträchtigung, aber auch für Langzeitarbeitslose, etwa Garten- und Landschaftsbau, im Hausmeisterdienst, Kleiderladen, der Fahrradwerkstatt, als Stromspar-Checker oder im Übungsoffice. Konkret wird die Aktion Arbeit den Führerschein eines jungen Mannes bezuschussen, der als 16-jähriger Kurde mit seiner Schwester aus der Türkei eingewandert ist und ein Berufsvorbereitungsjahr und verschiedene Praktika absolviert hat. Sein Praktikum bei der CarMen verlängerte er über sein Schulpraktikum hinaus auch in den Ferien. Durch den Führerschein wachsen seine Chancen auf eine Beschäftigung in Gebäudereinigungsbetrieben – und somit auch auf Integration in die Gesellschaft.
Viel früher setzt das Programm des Hauses der offenen Tür Sinzig an: Der Übergang von der Schule in den Beruf stellt für viele junge Leute eine herausfordernde Lebensphase dar. Gibt es soziale, schulische oder familiäre Belastungen, sind sie auf gezielte Begleitung angewiesen. Berufsberatung läuft hier nicht nach Schema F, sondern individuell. Jugendliche mit Förderbedarf erhalten individuelle Berufsberatung, Bewerbungs- und Kompetenztrainings, Kontakte zu Ausbildungsbetrieben, Berufspraktika und werden sozial stabilisiert. Auch hier wird die Aktion Arbeit in den nächsten drei Jahren bis zu 30.000 Euro investieren.
Nicht alle Arbeitslosen über einen Kamm scheren
1983 gegründet, als die Arbeitslosenzahl in Westdeutschland zum ersten Mal die Zwei-Millionen-Grenze erreichte, setzt die Aktion Arbeit des Bistums Trier sich seit vielen Jahrzehnten für arbeitslose Menschen ein. Finanziert wird sie durch Spendengelder; Personal- und Sachkosten trägt das Bistum Trier. Doch wie sieht die Lobbyarbeit heute aus? Geschäftsführer Johannes Tittel ist sicher, dass politische Bewusstseinsbildung heute wichtiger denn je ist. Denn das gesellschaftliche Klima gegenüber Arbeitslosen sei sehr angespannt. „Das liegt vor allem an der aktuellen wirtschaftlichen Situation. Für viele Menschen, die in Arbeit sind, die landunter sind, ist es kaum vorstellbar, dass es Menschen gibt, die am normalen Arbeitsmarkt kaum zu integrieren sind.“ Dabei stehe hinter jedem Schicksal eine eigene Geschichte und es sei nicht so einfach, wie gemeinhin oft dargestellt. „Wenn man sich die Zahl der Langzeitarbeitslosen ansieht, sprechen wir von 1,2 Millionen Menschen, die seit einem Jahr oder länger keine Arbeit haben. Und dahinter stehen oft Familien, Kinder. Im politischen Diskurs differenzieren viele nicht, was das Bürgergeld angeht. Sicherlich gibt es auch mal Sozialbetrug, aber das ist eine so schwindend geringe Prozentzahl, dass es eigentlich ein Skandal ist, alle arbeitslosen Menschen über einen Kamm zu scheren“, unterstreicht Tittel.
Spendenmittel gehen zurück – der Spendenmarkt ist umkämpft
Doch gleichzeitig gingen die Mittel der Aktion Arbeit zurück, merkt er bedauernd an. „Bei der diesjährigen Vergabe der Fördermittel sind wir schon stark an unsere Rücklagen gegangen.“ Das sei vor allem zweierlei geschuldet: Die Zahl der Spender*innen für kirchliche Projekte wie die Aktion Arbeit sinke parallel zur abnehmenden Zahl der Gläubigen. Zum anderen sei der Spendenmarkt „extrem umkämpft“. „Viele Menschen haben ihre eigenen Probleme, müssen sparen, und mit dem Thema Arbeitslosigkeit kann man derzeit eben nicht punkten.“ So verschieden die geförderten Projekte auch sind, ein Schlüsselthema kristallisiere sich seit langem heraus und werde auch künftig essenziell bleiben: der Übergang von Schule zu Beruf und die Begleitung junger Menschen. Doch es lohne, dass Kirche sich für diese Menschen einsetze – schließlich sei in ihrer Kern-Botschaft verankert, sich für Arme und Schwache einzusetzen.
