Ein offenes Ohr und Hilfe für Flutopfer

Das „Schwätzje mobil“ der Caritas und das kirche:mobil sind im Saarland bei Hochwasserbetroffenen unterwegs

Die Caritasmitarbeiterinnen Amina Belardj, Hannan Chalabi unterstützen Herbert Wilhelm aus Lauterbach mit Antragsformularen. Foto: Ute Kirch
Die Caritasmitarbeiterinnen Amina Belardj, Hannan Chalabi unterstützen Herbert Wilhelm aus Lauterbach mit Antragsformularen. Foto: Ute Kirch

Seit vergangener Woche ist das „Schwätzje mobil“ in den Kommunen des Saarlandes unterwegs, die stark vom Hochwasser betroffen sind.

 

29.05.2024

 

Von Ute Kirch

 

(Völklingen-Lauterbach/uk/bt) – Eigentlich hat es Herbert Wilhelm eilig. „Ich brauche dringend ein neues Bett und eine neue Waschmaschine“, erklärt der 68-Jährige. Die Einrichtung seiner Einliegerwohnung im Keller des Hauses seines Sohnes sei durch die Flut „komplett zerstört“. Doch die Neugier siegt. Wilhelm bleibt er vor dem weißen Transporter mit der Aufschrift „Schwätzje mobil“ der Caritas stehen, der auf dem Parkplatz des Supermarkts in Lauterbach aufgestellt ist. Davor am Stehtisch sowie auf zwei Stühlen und Campingtisch stehen Hannan Chalabi und Amina Belaredj, die eigentlich in der Migrationsberatung und der Verwaltung des Caritasverbands Saarbrücken und Umgebung e.V. arbeiten. Ausgestattet mit frisch gekochtem Kaffee, Sprudel, Gummibärchen und Traubenzucker und jeder Menge Antragsformularen – unter anderem für die Soforthilfe des Landes und für Betroffene, die keine Elementarschadenversicherung haben. In den ersten Tagen konnte bei der Caritas eine Soforthilfe über 200 Euro beantragt werden. Mit dem Geld hat die Caritas unbürokratisch und schnell geholfen, damit Betroffene sich mit dem Nötigsten ausstatten konnten.

 

Seit vergangener Woche ist das „Schwätzje mobil“ in den Kommunen des Saarlandes unterwegs, die stark vom Hochwasser betroffen sind: Kleinblittersdorf, Rilchingen-Hanweiler, Saarbrücken-Rußhütte, Geislautern, Ludweiler und Lauterbach. Tageweise unterwegs ist das kirche:mobil des Pastoralen Raums Völklingen. Neben der Hilfe beim Ausfüllen der Formulare haben sie auch ein offenes Ohr für die Nöte der Betroffenen. „Uns ist es wichtig, sehr schnell bei den Menschen vor Ort zu sein, ihnen als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen und ihnen zu helfen, ihre finanziellen Ansprüche geltend zu machen“, sagt Caritasdirektor Michael Schley.

 

Mit Katastrophen kennt sich Herbert Wilhelm als ehemaliger Bergmann nach eigenem Bekunden aus: „Unter Tage hatten wir Tote und Schwerverletzte, das darf man sich dann nicht mit heimholen.“ Doch jetzt ist die Katastrophe in seinem Zuhause angekommen. „Einen halben Meter hoch stand das Wasser“, erzählt er. Erst im vergangenen Jahr ist er in das frisch renovierte Haus seines Sohnes gezogen. Aufgrund der Nähe zum Lauterbach habe er damals direkt eine Elementarschadenversicherung abgeschlossen. Eine Gutachterin habe den Schaden auf 23.000 Euro geschätzt. „Ich setze drauf, dass die Versicherung zahlt“, sagt er. Im Moment liefen fünf Trockengeräte gleichzeitig, damit die Feuchtigkeit nicht noch mehr Schaden anrichtet.

 

Für Chalabi und Belaredj ist es der zweite Einsatz mit dem „Schwätzje mobil“. Vergangenen Donnerstag waren sie schon in Kleinblittersdorf unterwegs. „Dort haben schon viele Leute auf uns gewartet. Der Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft hat uns beeindruckt“, berichten sie. Der Krisenstab des Caritasverbands arbeite eng mit den Kommunen und Ortsvorstehern zusammen. Das Angebot werde gut angenommen. „Es ist unglaublich, wie sehr sich die Leute untereinander helfen. Da werden Formulare für die nicht mehr so mobilen Nachbarn mitgenommen und nachmittags ausgefüllt mitgebracht“, sagt Chalabi. Von ihren Kolleginnen und Kollegen, die an anderen Tagen unterwegs waren, weiß sie, dass auch der emotionale Bedarf, einmal sein Herz ausschütten zu können und jemanden zu haben, der zuhört, bei vielen Betroffenen groß ist. „Ein Mann wurde von seiner Katze geweckt, als das Wasser kam“, berichtet sie. Sie hören von kaputtem Mobiliar, aber auch von Existenzängsten, nachdem das Wasser die Geschäftsräume zerstört hat. „Viele sagen, die materiellen Schäden seien zwar schlimm, schlimmer sei jedoch der immaterielle Schaden, der nicht wieder hergestellt werden kann, etwa, wenn das Hochwasser lieb gewonnene Fotoalben zerstört hat.“ Zwischen 20 bis 40 Menschen kommen pro Tag zum „Schwätzje mobil“. Herbert Wilhelm versucht, nach vorne zu blicken. „Die ersten zwei Tage ging das gar nicht. Aber jetzt denk ich mir: Es muss ja.“

 

Der Caritasverband Saarbrücken hat einen Hilfsfonds für Hochwasser-Betroffene eingerichtet. Um den Menschen helfen zu können, sind Spenden erforderlich. Sie können eingezahlt werden auf das Konto des Diözesan-Caritasverbandes Trier: IBAN DE43 3706 0193 3000 6661 21, GENODED1PAX, Stichwort Hochwasserhilfe.

www.caritas-saarbruecken.de

 

Angebote der Caritas im Bereich Sozialberatung und Hochwasserbetroffenenberatung:

 

Mailkontakt: hilfsfonds@caritas-saarbruecken.de

 

Haus der Caritas, Johannisstraße 2, 66111 Saarbrücken

Tel: 0681/309060

Caritas-Beratungs-Center, Poststraße 11-17, 66333 Völklingen

Tel: 06898/986940

Gemeinwesenarbeit Burbach

Tel: 0681/7619517

Gemeinwesenarbeit Folsterhöhe

Tel: 0681/56429

Gemeinwesenarbeit Wehrdener Berg

Tel: 06898/8509614

Gemeinwesenarbeit Friedrichstal

Tel: 06897/88044

Gemeinwesenarbeit Sulzbach

Tel: 06897/841067

 

Beratungsangebote in der Gemeinde Kleinblittersdorf:

Mittwoch 29.05.24 von 10 bis 13 Uhr im Pfarrheim Rilchingen Hanweiler (Bahnhofstr.)

Dienstag 04.06.24 von 10 bis 13 Uhr im Pfarrheim in Kleinblittersdorf (Friedhofstr.)

Mittwoch 05.06.24 von 10 bis 13 Uhr im Pfarrheim Rilchingen Hanweiler (Bahnhofstr.)