Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. (Joh. 12,24)

10. März - 16. März 2024

Foto: canva.com
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Die Andacht zum Wochenspruch – von Manfred Günther in den 90er Jahren verfasst – gelesen von Gert Holle

 

10. – 16.03.2024

Wochenspruch zur Woche nach dem Sonntag. "Laetare":

 

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. (Joh. 12,24)

 

Vor einer Woche ging es ums Pflügen, heute ist das Säen dran: Wenn das Weizenkorn in die Erde fällt... Das sind treffende Bilder, die uns die Bibel malt! Ein Weizenkorn, das nicht in den Boden gesät wird, kann keine Frucht bringen. Nur wenn es im Dunkel der Ackerkrume stirbt, wächst aus ihm neues Leben. Bleibt es am Licht, dann verliert es seine Kraft, dann bleibt es allein. Wirklich: ein schönes Bild...

Aber für welche Wirklichkeit steht es? Was will uns das sagen? Denken wir nicht gleich an den Tod, wenn wir "sterben müssen" und man uns in die "Erde" legt und wir "Frucht bringen"...

Denken wir einmal an andere Erfahrungen, vielleicht an solche: Da hat sich einer vorgenommen, die Passionszeit dieses Jahres einmal nicht nur dem Kalender nach mitzugehen. Er hat sich der Aktion "Sieben Wochen ohne..." angeschlossen, wie sie von vielen Kirchengemeinden veranstaltet wird. Er will seinen Herrn auf dem Kreuzweg begleiten, indem er sich ein kleines Kreuz auferlegt: Er will auf Alkohol und Wurst verzichten. Jede Gelegenheit, bei der er sonst dem Alkohol zugesprochen und Wurst gegessen hätte, soll ihn nun erinnern: Du bist Christ. Du heißt nach dem Herrn, der für dich viel mehr getragen hat. Sein Kreuz war tausendmal schwerer...

Was wird dieser Christ erleben? Zuerst gewiss immer wieder das Gefühl schmerzlichen Verzichts: So ein kleines Glas Bier... jetzt, zum Essen, wie gut täte das! So ein Frühstück ohne Wurst...irgendwie fade...da macht essen gar keinen Spaß! - Wir hoffen, dass er standhaft bleibt, dann wird er nämlich nach einiger Zeit etwas ganz anderes erfahren: Das nimmt uns ja gar nicht nur etwas! Das ist ja nicht allein ein Verzicht! Da liegt ja auch etwas drin, das ist wie ein Geschenk, das macht froh und reich... "Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt..."

Gewiss: Am Anfang ist jeder Verzicht ein bisschen wie Sterben. Ich werde ärmer. Ich muss etwas aufgeben; das tut weh! Aber dann: Wenn ich durch meinen Verzicht frei werde, wenn ich erst spüre, ich kann das wirklich einmal entbehren, ich muss dieses Glas Bier nicht haben, ich bin bei meinem Frühstück fröhlich, auch ohne Wurst! Unbeschreiblich ist das, schon bei so kleinen Dingen, die ich mir auferlege: "... wenn es aber erstirbt, bringt es reiche Frucht!" Das ist wahr!

 

Eine andere Wirklichkeit, die wir vielleicht kennen: Da ist eine Beziehung zerbrochen, eine Verbindung zwischen zwei Menschen, die nicht von Liebe bestimmt war, sondern von Abhängigkeit und Unterdrückung. Eine ganze Weile wird das dauern, bis die Wunden, die man sich gegenseitig beigebracht hat, heilen. Vielleicht werden Jahre vergehen, bis man ohne Schmerz und Tränen vom anderen sprechen kann. Auch das ist ein wenig wie Sterben - vor dem Tod. Aber auch hieraus kann in einem Leben Frucht reifen! Ein Mensch kann sich frei entwickeln, eine Persönlichkeit kann sich neu entfalten, einer, der wie eines anderen Besitz war, wird für andere Menschen offen und wichtig...

 


Autor: Manfred Günther, gelesen von Gert Holle - 8.03.2024