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Ein seltener Schandmantel wird in der historischen Streitarena Marktplatz der Jahresausstellung in den Franckeschen Stiftungen gezeigt. Foto: Falk Wenzel
Ein seltener Schandmantel wird in der historischen Streitarena Marktplatz der Jahresausstellung in den Franckeschen Stiftungen gezeigt. Foto: Falk Wenzel

Streit. Menschen, Medien, Mechanismen im 18. Jahrhundert und heute

Jahresausstellung der Franckeschen Stiftungen noch bis 4. Februar 2024

  • Streiten wir heute anders als früher?
  • Jahresausstellung der Franckeschen Stiftungen erlaubt noch bis zum 4. Februar 2024 einen Einblick in die historische Tiefendimension unserer Streitkultur.
  • Signifikante Streitfälle in historischen und gegenwärtigen Streitarenen laden zum Mitmachen, Nachdenken und zur Diskussion ein.

 

HISTORISCHES WAISENHAUS | FRANCKEPLATZ 1, HAUS 1

 

Streit ist ein essentieller Bestandteil unseres Lebens, unserer Gesellschaft und unserer Demokratie. Streiten wir heute anders als früher? Die Ausstellung »Streit. Menschen, Medien, Mechanismen im 18. Jahrhundert und heute« im Historischen Waisenhaus der Franckeschen Stiftungen  nimmt die Vertreibung Christian Wolffs (1679–1754) im Herbst 1723 als Ergebnis des Streits zwischen dem Philosophen und den Halleschen Pietisten zum Anlass, um die aktuelle Streitkultur nach ihrer historischen Tiefenstruktur zu befragen. »Wir öffnen historische und zeitgeschichtliche Streitarenen, in denen wir den Blick auf  bewegende Streitfälle, die Medien und die Mechanismen richten, um die Sicht auf heutiges Streitgeschehen zu schärfen«, erläutern die Kurator:innen Prof. Dr. Holger Zaunstöck und Claudia Weiß das Ausstellungskonzept. 

Bis zum 4. Februar 2024 ist die aufwändig inszenierte Zeitreise auf 350qm Ausstellungsfläche im Historischen Waisenhaus der Franckeschen Stiftungen noch geöffnet.  Wertvolle historische Objekte, mediale Streitereignisse der Gegenwart, ein Streitkaraoke zum Mitmachen, oder ein Verriss-Memory,  in dem ausgewählten Musikstücken der Avantgarde und Popkultur ihre vernichtende Kritiken zugeordnet werden können, erwarten die Besucher:innen. »Wir starten den Rundgang mit dem Vogel Selbsterkenntnis. Er führt einen der wahrscheinlich wichtigsten Aspekte in der Geschichte des Streitens vor Augen: das Sich-an-die-eigene-Nase-Fassen, die kritische Selbstreflexion. Wir selbst sind seit jeher dafür verantwortlich, wie wir miteinander streiten«, fassen die Kurator:innen zusammen. Die  Skulptur war bereits im 17. und 18. Jahrhundert europaweit verbreitet. 

Die Ausstellungsräume führen in  drei historische und drei zeitgenössische Streitarenen. 

Der Marktplatz war in der Frühen Neuzeit der zentrale städtische Ort für Kommunikation, Streitgeschehen und Strafpraxis.  Der »Streit um die Hosen« fokussiert hier die Aushandlungsprozesse in Beziehung und Haus. In der Streitarena Universität wird der Streitfall zwischen Christian Wolff und seinen Kontrahenten an der Theologischen Fakultät in Halle vorgestellt. Bei Hofe, der dritten historischen Streitarena, zeigen Voltaire und Friedrich II., wie Sachkritik mit persönlichen Angriffen und Verunglimpfungen einhergeht. 

Die drei zeitgeschichtlichen Streitarenen starten mit den Screens: Prägnante Beispiele nehmen Kino, Fernsehen und die Sozialen Medien in den Blick – von »Spiel mir das Lied vom Tod« bis zum Streit der Girlgroup Tic Tac Toe. Sound Stage ist die Arena der akustischen Streitkulturen. In ihr wird ein Bogen vom klassischen Konzertsaal mit dem Streitfall der ›Neuen Musik‹ bis zu auditiven Äußerungen von sozialen Konflikten und Instrumentenzerstörungen geschlagen. Das Fußballstadion als Ort kontroverser Fußball- und Fankultur ist ein Raum des Streitens, der bis in die Medien hinein sehr präsent ist. 

Mit der Erfahrung der sozialen, medialen, sprachlich-rhetorischen und körperlichen Mechanismen regt der Ausstellungsrundgang zum Nachdenken und Diskutieren über das eigene Streiten an.

 

 

JAHRESAUSSTELLUNG DER FRANCKESCHEN STIFTUNGEN 2023


Streit. Menschen, Medien, Mechanismen im 18. Jahrhundert und heute
18. März 2023 bis 04. Februar 2024
Di – So, feiertags 10 – 17 Uhr
Franckeplatz 1, 06110 Halle (Saale)
Eintritt 8 Euro, erm. 5 Euro, bis 18 Jahre frei
Alle Informationen auf www.francke-halle.de
Ausstellung online: streit.francke-halle.de

 

WISSENSCHAFTLICHER BEGLEITKATALOG


Streit. Menschen, Medien, Mechanismen im 18. Jahrhundert und heute.
Herausgegeben im Auftrag der Franckeschen Stiftungen von Claudia Weiß und Holger Zaunstöck. Halle 2023 (Kataloge der Franckeschen Stiftungen, 39).
200 S., 155Abb., € 28,00; ISBN 978-3-447-11977-1
Mit einer Einführung der Kurator:innen Prof. Dr. Holger Zaunstöck und Claudia Weiß und Beiträgen des hochspezialisierten interdisziplinären Expert:innen-Teams zur Ausstellung aus der Geschichts-, Medien- und Literaturwissenschaft sowie der Medienlinguistik und Kunstgeschichte