Mitteilung der ZEIT Verlagsgruppe

Jahres-LUCHS 2023: Der Autor Martin Muser erhält den Kinder- und Jugendbuchpreis für seinen Jugendroman „Weil.“

 

 

19.12.2023

 

(Hamburg/zeit) -  Der LUCHS des Jahres 2023, der Kinder- und Jugendbuchpreis von der ZEIT und Radio Bremen, geht an den Autor Martin Muser für seinen Jugendroman „Weil.“, erschienen im Carlsen Verlag, empfohlen für Jugendliche ab 14 Jahren. Der Preis wird am Vorabend der Leipziger Buchmesse, am Mittwoch, den 20. April 2024 verliehen und ist mit 8.000 Euro dotiert.

 

Zur Handlung: Fünf Berliner Jugendliche fahren aufs Land, um für ihr Ethik-Abi zu lernen. Unterwegs nehmen sie einen Anhalter mit, doch als der blasse, irgendwie behindert wirkende Teenager anfängt, „rassistische Kackscheiße“ von sich zu geben, lassen sie ihn an einer Tankstelle stehen und werfen seine Tasche, die sie kurz darauf im Wagen finden, aus dem Fenster. Sie diskutieren sogar, ob das in Ordnung sei, aber niemand könnte ahnen, welcher Rache sie sich am nächsten Tag ausgesetzt sehen. Der Junge steht mit seinem großen Bruder und einem Freund vor der Tür. Die Landidylle wird zum Gefängnis und es beginnt ein sadistisches Spiel, in dem die Clique ihre Schuld begleichen soll. Nach einer noch harmlosen Runde „Wahrheit oder Pflicht“ gibt es die erste Ohrfeige, es folgt ein zerschmettertes Knie, Handys und Laptops verwandeln sich in einen Berg Hightech-Splitter. Am Abend eines langen Tages werden fünf junge Menschen einander nicht mehr ins Gesicht sehen können – und nicht mehr in den Spiegel.

 

So begründet die LUCHS-Jury ihre Entscheidung:

„Martin Musers Roman ist ein Lehrstück über Angst, Mut und Gewalt. Er inszeniert ein raffiniertes Kammerspiel, in dem der Machtrausch der einen zur Ohnmacht der anderen wird. Lebenswelten und Milieus knallen in ‚Weil.‘ mit voller Wucht aufeinander – ein Text wie ein Faustschlag, der in seiner Schonungslosigkeit zugleich schockiert und fasziniert und auch die Leserinnen und Leser, die der eskalierenden Gewalt gebannt folgen, herausfordert. Muser lotet unsere ethischen Grenzen aus: Kann man Unrecht mit Geld begleichen? Hat einer mehr Schuld als die anderen, und darf man ihn deshalb verraten? Müssen alle gemeinsam büßen, oder kann sich einer für alle opfern? Existiert das Böse grundlos aus sich heraus? Und kann man ihm etwas entgegensetzen? Kann man Widerstand leisten, ohne dafür draufzugehen?

Nur 120 sehr dichte und bestens komponierte Seiten benötigt der Autor, um eine vielleicht nicht heile, aber doch intakte Welt in Stücke zu schlagen. Im Wechsel erzählt Muser aus den unterschiedlichen Perspektiven der Jugendlichen, schneidet sie geradezu filmisch in schneller Folge gegeneinander. Jede Regel, mit der sie das Leben bisher in Gut und Schlecht unterteilt haben, ist außer Kraft gesetzt, stattdessen sehen sie sich mit den eigenen Schwächen und Abgründen konfrontiert.

All das macht diesen Roman zu einer verstörenden Zumutung – im besten Sinne, weil er in all seiner Gnadenlosigkeit eine Einladung ist, sich selbst und die Grundfesten dieser Gesellschaft radikal zu hinterfragen. Das Ende lässt Muser zum Glück offen, denn so hat man nach der Lektüre keine Antworten, sondern Fragen. Und damit ist der Grundstein für Erkenntnis gelegt, aus der etwas Neues, vielleicht Besseres erwachsen kann. ‚Weil.‘ wäre nicht nur ein perfekter Stoff fürs Ethik-Abi, es ist ein Roman fürs Leben.“

 

Der Preisträger:

Martin Muser, geboren 1965 in Stuttgart, ist freier Autor, Dramaturg und Dozent. Er lebt in Berlin und widmet sich neben dem Schreiben von Drehbüchern für das deutsche Fernsehen besonders gern Romanen für junge Leser. Sein Kinderbuchdebüt „Kannawoniwasein“, für das Muser 2018 von der Kritik gefeiert wurde, kam im August 2023 in die Kinos. Mit „Weil.“ feiert der Autor sein Jugendbuchdebüt. Wenn Muser nicht schreibt, ist er mit seinem Fahrrad in Berlin unterwegs.

 

Zum Preis: Jeden Monat zeichnen DIE ZEIT und Radio Bremen ein Buch mit dem LUCHS-Preis für Kinder- und Jugendliteratur aus. Aus den zwölf Monatssiegern wird der Jahres-LUCHS gewählt. Die Jury im Jahr 2023 bildeten die Übersetzerin Brigitte Jakobeit, Benno Hennig von Lange vom Literaturhaus Frankfurt, Ziphora Robina von Radio Bremen, der Autor und Philosoph Jörg Bernardy, sowie Katrin Hörnlein, die als Redakteurin bei der ZEIT das Ressort Junge Leser sowie die Kinder- und Jugendliteratur verantwortet und Vorsitzende der LUCHS-Jury ist.

 

 

Radio Bremen stellte das Buch und den Preisträger am Dienstag, 19. Dezember, um 10.10 Uhr auf Bremen Zwei vor. Das Gespräch zum Buch wird online unter www.radiobremen.de/luchs abrufbar sein.