Bank Austria Kunstforum Wien: Neues Ausstellungsjahr beginnt im Feber 2024 mit Roberto Matta

Erste umfassende Gauguin-Ausstellung in Österreich seit mehr als 60 Jahren startet im Oktober 2024

Paul Gauguin, Stilleben mit Blumen und Idol, um 1892, Kunsthaus Zürich, Geschenk Walter Haefner, 1995. Fotoquelle: leisure communications
Paul Gauguin, Stilleben mit Blumen und Idol, um 1892, Kunsthaus Zürich, Geschenk Walter Haefner, 1995. Fotoquelle: leisure communications

5.12.2023

 

(Wien/LCG) – In der von Direktorin Ingried Brugger kuratierten Matta-Ausstellung präsentiert das Bank Austria Kunstforum Wien im Frühjahr 2024 einen der visionärsten Maler des 20. Jahrhunderts. Der Weltenbürger Roberto Matta brachte Künstler wie Jackson Pollock oder Robert Motherwell zur Kunst und inspirierte sie nachhaltig. Mit Kuratorin Lisa Ortner-Kreil haben Künstler Aldo Giannotti und Choreografin Karin Pauer ein außergewöhnliches Projekt entwickelt. Unter dem Titel „House of Constructs“ verwandelt sich das Ausstellungshaus auf der Wiener Freyung im Juni 2024 in eine Baustelle, um der Frage nach der Definition und Nutzung des Ausstellungsraums nachzugehen. Die Interaktion des Publikums ist integrativer Bestandteil der Auseinandersetzung, um Stellung zu beziehen und eine Botschaft zu verbreiten. Den Ausstellungsherbst läutet Paul Gauguin ein. Die von Evelyn Bensch kuratierte Ausstellung zeigt über 80 Leihgaben aus großen internationalen Museen und bedeutenden Privatsammlungen.

Unter dem Titel „Rockaby“ (2017–2024) präsentiert der tresor im Bank Austria Kunstforum Wien von März bis April 2024 eine konzertante Collage von Rebecca Saunders für fünf Musiker und 220 Spieluhren. Das von Bettina M. Busse kuratierte Projekt entsteht in Zusammenarbeit mit dem Musikverein Wien. Ebenfalls im Frühling ist im Artspace für zeitgenössische Kunst die Abschlussausstellung der Bank Austria Studios zu sehen, die von Bettina M. Busse in Zusammenarbeit mit Contemporary Matters kuratiert wird.

„Einmal mehr wird das Bank Austria Kunstforum Wien seinem Ruf gerecht, prägende Künstlerpersönlichkeiten zu präsentieren, die mit ihrem Schaffen Genres und Epochen geprägt haben. Roberto Matta ist als einer der visionärsten Künstler des 20. Jahrhunderts eine Entdeckung, auf die das Publikum gespannt sein darf. In der Zusammenarbeit von Aldo Giannotti und Karin Pauer üben wir uns in der Selbstreflexion des Kunstbetriebs und verorten den Ausstellungsraum in seiner heutigen Bedeutung in einer komplexen multimedialen Umwelt. Das Österreich-Comeback von Paul Gauguin verspricht 60 Jahre nach der letzten großen Retrospektive ein Magnet für Kunstfans weit über die Landesgrenzen hinaus zu werden“, fasst Direktorin Ingried Brugger zusammen.

 

Roberto Matta: 24. Feber bis 2. Juni 2024

Roberto Matta (1911–2002) gilt als einer der visionärsten Maler des 20. Jahrhunderts. Er hat nicht nur die Kunstgeschichte geprägt, sondern auch zahlreiche Künstlerinnen und Künstler, darunter Arshile Gorky, Dorothea Tanning, Jackson Pollock oder Robert Motherwell, wesentlich beeinflusst beziehungsweise überhaupt erst zur Kunst gebracht.

Seine Biografie ist die eines Weltenbürgers: geboren in Santiago (Chile) als Kind spanisch-französischer Eltern, lebte und arbeitete er in Südamerika, Frankreich, Mexiko, den USA, Italien, Spanien und England. 1934 kam er auf Wunsch seines Vaters ins Büro von Le Corbusier in Paris, verfolgte jedoch keine Architekturlaufbahn, sondern begann 1938 zu malen und stellte im selben Jahr gleich bei der legendären Exposition Internationale du Surréalisme aus. Ende der 1930er-Jahre emigriert er nach New York, wo er bald seine erste Einzelausstellung in der Galerie Julian Levy zeigt. In New York wird Matta vor allem für die spätere New York School of Painting zur Gallionsfigur, im Unterschied zu den Vertretern des Abstrakten Expressionismus verlässt er für seine Kunst jedoch nie die Gegenständlichkeit.

Sein politisch wacher Geist und sein unbedingtes Eintreten für eine offene Gesellschaft lassen ihn zudem aus heutiger Sicht als Pionier einer Kunst erscheinen, welche die soziale Verantwortung des künstlerischen Tuns nicht nur einforderte, sondern aktiv lebte.

 

„Aldo Giannotti – House of Constructs (in Kollaboration mit Karin Pauer)“: 13. Juni bis 30. Juni 2024

Was ist ein Ausstellungsraum heute? Wie (be)nutzen wir diesen? Der bildende Künstler Aldo Giannotti und die Choreografin Karin Pauer haben gemeinsam mit der Kuratorin Lisa Ortner-Kreil ein außergewöhnliches Projekt entwickelt, das den Ausstellungsraum in eine Baustelle verwandelt, auf der die Grenze zwischen Kunst und Arbeit im Laufe der Zeit verschwimmt und verzerrt wird, um Antworten auf diese Fragen zu finden.

„HOUSE OF CONSTRUCTS“ versteht sich als Ort verschiedener Praktiken der kollektiven Bedeutungserstellung und eröffnet ein Verhandlungsfeld zwischen der Wahrnehmung von Zeit, Arbeitspraktiken und der kanonisierten Herangehensweise an einen Ausstellungsraum. Das Publikum wird zu einer selbstbestimmten Auseinandersetzung mit dem Projekt angeregt, das sich zwischen Ausstellung, Performance, Partizipation und Musik abspielt. Die Räumlichkeiten des Bank Austria Kunstforum Wien – seit 1989 für Ausstellungen bildender Kunst im klassischen Format genutzt – fungieren als Raum für Begegnung und das Unfertige, den Prozess, das verletzliche Dazwischen, in dem Kunst entsteht.

 

Paul Gauguin: 3. Oktober 2024 bis 19. Januar 2025

Die Ausstellung begleitet Paul Gauguin von seinen Anfängen als Postimpressionist bis hin zu seiner Vorreiterrolle als einer der Väter der Moderne und umfasst alle Facetten seines Schaffens: Malerei, Grafik und Skulptur.

Gauguin, im Paris der 1960er-Jahre und als erfolgreicher Banker großgeworden, entschließt sich erst spät für die Bildende Kunst. Gemeinsame erste Ausstellungen mit den Impressionisten initiieren eine Karriere voller Hindernisse und Ablehnungen. Sein Kunstwollen, ausgerichtet auf eine Infragestellung der Tradition und der überkommenen Sehgewohnheiten, zielt auf die Entwicklung einer neuen Formensprache, die der Moderne – Abstraktion, Fauvismus, und Expressionismus den Weg ebnet. Aus der Reduktion in die Fläche, aus der Neubewertung der Farbe in formaler und inhaltlicher Sicht und der Konzentration der Bildsprache auf das Wesentliche entwickelt Gauguin ein Bildkonzept, das auch in der Definition des Bildes bis weit in das 20. Jahrhundert führt – und das Künstler nicht nur seiner Generation vielfältig angeregt hat.

Eng verbunden mit einer Sehnsucht nach Neuem und Fernen, sowohl in Bildsprache als auch Lebensweise, ist er Zeit seines Lebens angefeindet und unverstanden. Heute, unter den Aspekten von postkolonialistischem Diskurs und Sexismus- und Missbrauchs-Debatten, hinterfragen wir die Figur und die Haltung eines Künstlers, dessen formalästhetisch neues und aufregendes Werk uns weiterhin begeistert.

Weitere Informationen auf kunstforumwien.at. Das Bank Austria Kunstforum Wien lädt rund um die Uhr und von jedem Device aus zum virtuellen Ausstellungsbesuch auf Facebook, Instagram, X und YouTube.